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Wohnungsmarkt:Studieren all-inclusive

Studentendorf Adlershof

Das Studentendorf Adlershof im Stadtteil Adlershof in Berlin

(Foto: dpa)
  • In teuren Hochschulstädten wie München zahlen Auszubildende und Studierende für ein WG-Zimmer oft mehr als 500 Euro.
  • Weil die Mieten immer weiter steigen, haben private Investoren den Wohnheimbau als wachsenden Markt für sich entdeckt.

Dieses Sommersemester ist ein tolles, vor allem in katholischen Gefilden: Himmelfahrt und Fronleichnam frei, der 1. Mai fällt auf einen Montag, der Pfingstmontag sowieso. Kollidierten die Klausuren am Ende nicht mit dem Badewetter, es könnte fast Spaß machen, so ein Sommersemester. Deshalb ist es nur folgerichtig, dass mancher Abiturient erst jetzt sein Studium beginnt, nachdem er ein halbes Jahr gejobbt, gechillt oder die Welt gerettet hat. Doch eine der härtesten Prüfungen, nämlich: eine bezahlbare Bude zu finden, ist in diesem Frühjahr schwerer als in den Vorsemestern.

"Wir spüren leider keine Entspannung auf den Wohnungsmärkten", sagt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerkes. Auf dem Markt für Ein-Zimmer-Apartments konkurrieren Studierende mit Berufseinsteigern und Wochenendpendlern; deshalb sind kleine Wohnungen in den Städten besonders teuer, wie Daten des Portals Immowelt am Donnerstag zeigen. "Auch die Mietpreise in Wohngemeinschaften sind kräftig gestiegen", sagt Meyer auf der Heyde. 400 Euro kalt scheint die neue Normalität für eine WG-Miete in den Großstädten; in München geht unter 500 Euro längst nichts mehr.

Plakate zu studentischer Wohnungsnot

"Mama, ich habe eine Wohnung gefunden"

Denn es wird auch in diesem Semester voll in Deutschlands Hörsälen: Noch nie haben so viele junge Leute aus dem In- und Ausland hier studiert. Die Zahl der Immatrikulierten ist in den vergangenen zehn Jahren um 44 Prozent gestiegen. Doch die Studentenwerke kamen kaum hinterher, neue Wohnheime zu bauen: Sie bieten heute nur gut fünf Prozent mehr günstige Unterkünfte an als 2007.

Stattdessen wachsen nun private Wohnanlagen in die Höhe. "Investoren haben die Angebotslücke erkannt", berichtet Immowelt. Projektentwickler stapeln neue Studentenzimmer aufeinander, fertig eingerichtet mit Küchenzeile, Bett und Schreibtisch, auf gut 20 Quadratmetern. Die Häuser tragen Namen wie "Campus Gardens" oder "College Living", haben das Fitnessstudio und den Waschsalon im Keller integriert. Wer hier lebt, studiert all-inclusive, in München etwa für 21 bis 31 Euro kalt pro Quadratmeter, rechnet Immowelt vor. In Frankfurt beginnen die Preise für möblierte Apartments bei 30 Euro. "Die privaten Wohnheimangebote sind nur für einen ganz kleinen Teil der Studierenden finanzierbar", sagt Meyer auf der Heyde. Investoren fahren trotzdem auf sogenannte Mikro-Apartments ab; zur Not ziehen eben Berufstätige oder Auszubildende ein.

Die Alternative, die Ein-Zimmer-Bude ohne den ganzen Schnickschnack, kostet etwa in Freiburg inzwischen 13 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, in Hamburg und Köln knapp 12 Euro. Das kann ganz schön abschreckend sein für junge Leute, die genau rechnen müssen, ob sie sich ein Studium leisten können - oder wie viel sie nebenbei arbeiten müssten. Bleibt der schwache Trost, dass es noch günstige Hochschulstädte gibt, die preislich immer mehr abgehängt werden: So kostet etwa in Rostock die Ein-Zimmer-Bude 6,40 Euro pro Quadratmeter, Strandnähe inklusive, in Chemnitz nur 5,20 Euro. Und es bleibt der große Anreiz, dass Akademiker im Schnitt deutlich besser bezahlt werden als Berufstätige ohne Studienabschluss. Dafür gilt es in diesem Semester, Klausuren trotz Badewetter gut zu meistern.