Unigespräche Migration: "Die Namenwelt wird garantiert bunter werden"

Werden klassisch deutsche Namen durch die neuen kulturellen Einflüsse in der Zukunft immer mehr verschwinden?

Die Vornamengebung hat sich ja schon seit den 70er Jahren massiv verändert und ist immer internationaler geworden. Auch deshalb sind germanisch-altdeutsche Namen wie meiner fast ausgestorben. Mit der weiteren Internationalisierung wird die Namenwelt garantiert noch deutlich bunter werden. Durch die Zu-uns-Kommenden werden bislang kaum bekannte Namen bestimmt auch bald von anderen Familien gegeben werden - aus Forscherperspektive werden die nächsten Jahrzehnte hier sehr aufregend.

Neben der Forschung sind Sie auch Hochschullehrerin. Worum geht es in Ihren Lehrveranstaltungen?

Im Wahlbereich der Geistes- und Sozialwissenschaften kann man in Leipzig drei Module besuchen: Einführung in die Namenforschung, Einführung in die Personennamenforschung und Einführung in die Ortsnamenforschung. Ich nehme pro Modul 30 Studenten auf, es bewerben sich meist aber zumindest im Einführungsmodul um die 300 - wir müssen also losen. Die Studienrichtungen der Studenten sind sehr unterschiedlich: Im vergangenen Semester hatten wir Kommunikations- und Medienwissenschaft, Westslawistik, Geschichte, Romanische Studien, Sinologie, Amerikastudien, Anglistik, Archäologie, Deutsch als Fremdsprache, Linguistik, Ostslawistik und Kunstgeschichte. Mir macht das viel Spaß, weil jeder mit der Perspektive seines Fachbereiches etwas zu Diskussionen beisteuern kann.

Studium Kampf um ein Alleinstellungsmerkmal
Analyse
Studium in Greifswald

Kampf um ein Alleinstellungsmerkmal

Viele Orchideenfächer haben es an Unis schwer. Oft welken sie jahrelang, um dann einzugehen. Doch in Greifswald regt sich jetzt Widerstand - die Studienrichtung Ukrainistik ist in Gefahr.   Von Ulrike Nimz

Es scheint, als dürfte die Namenforschung in Leipzig noch eine Weile bestehen bleiben.

Auf jeden Fall hat das Fach hier eine große Tradition, rund 60 Jahre wird schon zu Namen geforscht. Leider hat die Universität Leipzig 2008 die deutschlandweit einzige Professur für Namenforschung nicht erhalten wollen. Als kleines Orchideenfach haben wir das nicht verhindern können. Fairerweise muss ich aber auch sagen, dass die Uni Leipzig und speziell die Philologische Fakultät mich weiterhin wie eine Professur ausstattet. Es müsste aber wohl ein großes Wunder passieren, wenn nach 2028 an der Uni Leipzig noch Namenforschung betrieben werden soll.

Warum das?

Dann werde ich pensioniert - und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Stelle nachbesetzt wird und das Fach erhalten bleibt.

Zurück in die Praxis. Ich habe drei Namen bekannter Persönlichkeiten herausgesucht und würde Sie um eine kurze Analyse bitten. Nummer eins: Til Schweiger.

Das ist ein Übername für jemanden, der stumm ist. Da wurde ein Mensch nach seiner Eigenart bezeichnet - wobei nicht sicher ist, ob derjenige einfach nur kein Schwätzer war oder etwa wegen einer Behinderung nicht sprechen konnte.

Etwas komplizierter scheint mir die Analyse zu Bastian Schweinsteiger.

Das ist kein sprechender Name, sondern eine Herkunftsbezeichnung. In der Nähe von Rosenheim (Bastian Schweinsteiger stammt tatsächlich aus Kolbermoor bei Rosenheim; Anm. d . Red.) gab es mehrere Siedlungen namens Schweinsteig, dort gab es mit ziemlicher Sicherheit auch Schweineställe. Wer von dort kommt, heißt folglich Schweinsteiger.

Und zuletzt Kanzlerin Angela Merkel.

Das hat nichts mit Merken zu tun, sondern ist ein Familienname, der sich aus einem Rufnamen ableitet. Es handelt sich um eine Kurzform des Vornamens Markwart oder Markhard, die Endung -el deutet auf eine Koseform hin. Ein Vorfahre des ersten Ehemanns der Kanzlerin wurde also vor einigen Hundert Jahren als "Sohn des Markwart" gerufen.

Uni-Städte in Deutschland