Uni-StädteZahlungskräftig

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Ganz leicht zu finden war es noch nie, das perfekte WG-Zimmer. Inzwischen dürfte es oft vor allem um eines gehen: den Preis.
Ganz leicht zu finden war es noch nie, das perfekte WG-Zimmer. Inzwischen dürfte es oft vor allem um eines gehen: den Preis. Matthias Balk/dpa

Eine Studie zählt immer mehr private Betreiber von Studentenwohnheimen - ein neuer Markt. Mancher mag es besonders luxuriös.

Von Johann Osel

Ein Tag im Hörsaal kann ja anstrengend sein, wie wäre es da abends mit "einem Sundowner in deiner privaten Sky-Lounge"? Als Alternative: Lümmeln im Lounge-Bereich mit Flachbildfernsehern? Oder lockt am Ende der "Koch-Event" im Studentenwohnheim, unter der Ägide des Chefkochs aus dem Luxus-Hotel in Dubai? Das Studentenwohnhaus "The Fizz" im Frankfurter Stadtteil Gallus hat das alles im Angebot, die Beschreibungen der Appartements klingen nicht gerade nach typischem studentischen Wohnen: das Bad "mit gehobenem Designanspruch" oder ein Concierge-Service sind da weitere Beispiele aus der Miet-Offerte. Allerdings sind für ein Zimmer auch bis zu 800 Euro warm im Monat zu bezahlen.

Wer leistet sich das im Studium? Offenbar immer mehr Hochschüler: Private Wohnheimplätze liegen im Trend - ihre Zahl hat sich in den 30 größten Uni-Städten seit 2010 verdoppelt - auf nun 25 000. Das geht aus einer Studie der Uni Jena und eines Immobiliendienstleisters hervor, die mithilfe von Karten des Leibniz-Instituts für Länderkunde aufbereitet wurden. "Private Investitionen waren in diesem Bereich noch bis vor einigen Jahren relativ gering", heißt es. In den nächsten fünf Jahren könnte der Bestand an privaten Wohnheimplätzen auf 40 000 Einheiten wachsen. An der Spitze steht München mit einem Bestand von 3850 Apartments, gefolgt von Mainz und Regensburg. Die größten Zuwächse bis 2020 erwarten die Experten für Berlin, Hamburg und Frankfurt. Mit Mieten von 450 Euro oder mehr ziele das Angebot "fast ausschließlich auf eine kleinere Gruppe zahlungskräftiger Studenten".

Wie stark diese Zahlungskraft ist, zeigt das Frankfurter Studentenhaus. Grund dürfte nicht nur das verlockende Angebot sein, sondern womöglich ein Wandel im Bewusstsein. Die Bologna-Reform mit ihren Bachelor-Studiengängen gibt den Takt vor: schnell und effizient bitte! Da mögen schlafarme WG-Nächte mit lauten Stereoanlagen und zechenden Mitbewohnern eher hinderlich wirken, da ist das Studentenleben wohl weniger eine Haltung als früher. Und 87 Prozent aller Studenten bekommen laut Erhebungen Geld von ihren Eltern, bei einigen sind Mama und Papa wohl sehr spendabel. Die Investoren von "The Fizz" bauen fast bundesweit.

Sicherlich aber steckt die Wohnungsknappheit hinter dem Trend. Der freie Markt ist leergefegt, die Studierendenzahl liegt mit 2,7 Millionen auf Rekord; und der Dauer-Forderung der Studentenwerke nach Wohnheimen kommt die Politik schleppend nach. Neulich forderte das Deutsche Studentenwerk wieder ein Bund-Länder-Programm für 25 000 zusätzliche Wohnheimplätze. Für die Sanierung bestehender Wohnheime seien zudem 650 Millionen Euro staatliche Förderung nötig - nicht wenigen Häusern sieht man an, dass sie nicht erst seit gestern stehen, unabhängig von Designer-Bädern. Die Monatsmiete dort jedoch: im Schnitt 230 Euro.

© SZ vom 21.12.2015 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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