Uni Hohenheim 37 Atteste für üble Prüfungsangst

Studenten der Uni Hohenheim beim Lernen. Wenn sie in der Prüfung plötzlich krank werden, dürfen sie nochmal antreten.

(Foto: picture alliance / Sina Schuldt/)

Ist es möglich, dass ein Viertel der Studenten in einer Klausur Kopfweh bekommt? Die Uni glaubt das nicht und will Einsicht in die Krankenakten. Der Professor gibt Tipps fürs nächste Mal.

Von Larissa Holzki

Studierenden kann schon mal schlecht werden, wenn sie die Prüfungsaufgaben sehen. Was sich Ende Mai an der Universität Hohenheim in der Klausur zur Vorlesung "Investition und Finanzierung" abspielte, ist aber doch ungewöhnlich: Etwa ein Viertel der mehr als 200 Wirtschaftsstudenten plagte auf einmal Übelkeit und derart starke Kopfschmerzen, dass sie sich nicht in der Lage fühlten, die Prüfung fortzusetzen. Sie packten ihre Stifte wieder ein und verließen den Hörsaal.

37 von ihnen sollen sich kurz darauf im Wartezimmer eines Mediziners wiedergefunden haben, der seine Praxis in der Nähe der Hochschule hat. Der Arzt bescheinigte den Studierenden die Symptome und stellte entsprechende Atteste aus.

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An den meisten Unis gilt: Wer sich fit fühlt und zu Prüfungsbeginn antritt, wird auch bewertet. Wer beim Anblick der Aufgaben vor Schreck vom Stuhl fällt, bekommt eine Fünf.

An der Universität Hohenheim, deren Hauptsitz in einem Schloss im Stuttgarter Stadtteil Plieningen untergebracht ist, zeigt sich das Prüfungsamt gnädiger. Auch bei plötzlichen Krankheitssymptomen ist ein Klausurabbruch möglich. Die Prüflinge legen ein Attest vor und dürfen noch mal antreten. Aber nach dem Vorfall bei der Wirtschaftsklausur haben Universität, Arzt und Studierende nun ein Vertrauensproblem.

"Ich würde niemandem der 37 persönlich vorwerfen, dass er nicht krank war, aber die Wahrscheinlichkeit, dass alle während dieser einen Stunde krank geworden sind, geht gegen null, oder?", sagt Hans-Peter Burghof, Inhaber des Lehrstuhls für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen, der die Prüfung verantwortet. Normalerweise melde sich nur eine Handvoll Prüfungsteilnehmer plötzlich krank. Die Uni will die knappen Diagnosen nicht anerkennen und bezweifelt, dass der Arzt in der Kürze der Zeit ausreichende Untersuchungen vorgenommen hat. Sie will zudem insgesamt 103 weitere Krankmeldungen prüfen, die vor den Klausuren im Mai ausgestellt wurden.

Der Profesor weiß nun nicht, wie er die Klausur werten soll

Die Studierenden sind empört. Weniger darüber, dass die Uni nun weitere Atteste, einen Auszug der Krankenakte oder dem Terminkalender des Arztes fordert. Sie beklagen sich über eine Prüfung, die unverhältnismäßig anspruchsvoll gewesen sei. "Die haben aus jedem Thema das schwerste abgefragt", sagt die Bachelorstudentin Lena P., die die Klausur nicht abgebrochen hat und eigentlich anders heißt. Dass sogar Vertreter der Studierenden witzelten, die Abbrecher hätten bloß Schwierigkeiten mit Mathe, regt sie auf. Der Spott kommt aber nicht von ungefähr: Der gescholtene Mediziner, der für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, sei in sämtlichen Fachbereichen als "Doc Holiday" bekannt.

Und der Professor? Ärgert sich, weil die vielen Abbrecher beim Verlassen des Saales Lärm verursacht und damit Studierende wie Lena P. gestört hätten. Nun weiß er nicht, wie er die Klausur bewerten soll. Die Kritik an der Prüfung sieht er gelassen. Jedes Semester beklagten sich Studenten, die Aufgaben seien schwieriger geworden: "Die rechnen zu Hause in aller Ruhe mit einer Tasse Kaffee die alten Klausuren und lösen sie", sagt er. "In der Prüfung kommt Zeitdruck und Stress dazu, das ist natürlich schwieriger". Sein Tipp: Beim Üben die Zeit stoppen. Vier Studierenden hilft das vielleicht nichts mehr. Sie waren zum dritten Mal zu der Klausur angetreten. Wird ihr Attest nicht anerkannt, sind sie exmatrikuliert.

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