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Umgang mit Plagiaten:Mogeln kann später noch korrigiert werden

Eine andere Volte schlug die Technische Universität Berlin, die den Plagiatsvorwürfen gegen Jürgen Goldschmidt nachging, den Bürgermeister der Kleinstadt Forst in Brandenburg. Auch er wollte den Doktortitel und bediente sich hierfür bei anderen Autoren, ohne dies sauber zu kennzeichnen. Das dokumentierte Vroniplag im Sommer 2011 öffentlich.

Die TU beschritt angesichts der offenkundigen Mängel einen originellen Weg: Eineinhalb Jahre später urteilte der TU-Präsident, Goldschmidt habe zwar mangelhaft zitiert, doch habe er eine eigenständige wissenschaftliche Leistung erbracht. Es sei keine Täuschungsabsicht erkennbar. Goldschmidt erhielt ein halbes Jahr Zeit, die Arbeit mit sauberen Zitaten erneut einzureichen. Das tat er im Sommer 2013. Das Ergebnis über diese Neuauflage - was Wunder - steht noch aus, heißt es aus der TU.

Nach diesem Muster ist also eine "Doktorarbeit auf Probe" möglich, ein mögliches Mogeln kann später noch korrigiert werden. So gesehen kann man es entspannter probieren. Auch wenn dies die TU Berlin bestreitet. Goldschmidt sei kein Präzedenzfall, in anderen Fällen könne es andere Entscheidungen geben, erklärt eine Uni-Sprecherin. Juristen dürften das anders sehen: Sie pochen auf Gleichbehandlung, auch bei Plagiatsprüfungen.

Es sind viele Fälle mittlerweile

Man kann es ja nachvollziehen, wenn Professoren Besseres zu tun haben, als alte Doktorarbeiten auf Plagiate zu prüfen. Diese Altlastenbeseitigung ist aufwendig, und es winkt keinerlei Belohnung. Es sind viele Fälle mittlerweile. "Die Universitäten haben keinen Bock mehr", sagt der Münchner Juraprofessor Volker Rieble. Er verfolgt die Entwicklung schon lange, hat vor der Guttenberg-Affäre ein Buch über Plagiate geschrieben. Jetzt wächst bei ihm die Wut. "Es passiert nichts", sagt er. Man hänge ein paar Politiker hin, doch Professoren passiere nichts. "Kein einziger Professor wurde des Amtes enthoben, obwohl es schwere Plagiatsfälle gab."

Dazu zählt er etwa den Münsteraner Medienrechtler Bernd Holznagel, Co-Autor eines juristischen Lehrbuches, das Plagiate enthielt. Holznagel zog das Buch zurück, bestreitet aber, ein Plagiator zu sein. Disziplinarrechtlich wurde er nie belangt. Und das ist nicht der einzige Fall. Rieble spricht von einer "organisierten Unverantwortlichkeit", einem Feudalsystem, in dem sich die Professoren gegenseitig deckten. Wer will da schon einen Kollegen aus dem Amt schubsen, weil er sich mal bei anderen bedient hat?

An der Uni Münster kam der juristische Fachbereich auch noch auf die Idee, trotz offensichtlicher Plagiatsstellen eine Rüge zu erteilen statt den Titel zu entziehen - und schonte damit eine heutige Richterin. Eine Rüge freilich interessiert kaum jemanden. Und sie ist in den Promotionsordnungen der Universitäten gar nicht vorgesehen. Rieble sagt: "Das ist reine Symbolpolitik."