Trend im Studium Hochschulen mit Herz

Die Jung-Unternehmer Michael Gelhaus und Viktoria Schmidt helfen regionalen Imkern.

(Foto: Marco Einfeldt)
  • Deutsche Universitäten besinnen sich immer mehr auf ihre soziale Verantwortung. Eines der wichtigsten Projekte ist die Münchner Social-Entrepreneurship-Akademie mit dem Studienprogramm "Gesellschaftliche Innovationen".
  • Damit wirde ein neues Ziel der Hochschulbildung verfolgt: Studenten sollen mit dem, was sie lernen, die Gesellschaft weiterbringen.
  • Für die Hochschulen bieten solche Maßnahmen die Möglichkeit, der viel kritisierten Verschulung des Bachelor entgegenzuwirken.
Von Johann Osel

Stiller wurde es in der Gegend, das fiel Viktoria Schmidt damals auf. Und die Kirschbäume trugen im Sommer keine Kirschen mehr, ihr Großvater hatte zuvor aus Altersgründen seine Bienenstöcke aufgegeben. Die junge Frau ist mittlerweile selbst Imkerin, Designerin, soziale Firmengründerin. Sie kann viel erzählen darüber, dass Bienen nicht nur Honig liefern; sondern Blüten bestäuben, die Natur gedeihen lassen, die Artenvielfalt. "Bei mir häufte sich der Honig im Keller, vielen meiner Imkerkollegen geht es ähnlich. Dabei ist das naturnahe Hobby sinnvoll und im Kommen."

Um Imkern beim Verkaufen zu helfen, hat Schmidt die Firma "Nearbees" ins Leben gerufen, zusammen mit dem Wirtschaftsstudenten Michael Gelhaus. Ihr gleichnamiges Webportal hilft Bienenhaltern beim Vertrieb, bietet eine spezielle Verpackung für den Versand. Kunden sollen bewusst Honig von nebenan kaufen, vielleicht von den Tieren, die beim Frühstück am Balkon das Honigbrot anfliegen.

Kennengelernt haben sich Schmidt und Gelhaus an der Münchner Social-Entrepreneurship-Akademie. Bei dem Modell - zu Deutsch: soziales Unternehmertum - soll Geld erwirtschaftet und dabei auch noch Gutes getan werden. Den Trend befördern auch die Hochschulen. Und nirgendwo in der Republik dürfte das so professionell laufen wie in München.

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Die beiden großen Universitäten LMU und TU, die Fachhochschule und die Bundeswehr-Uni haben sich verbündet und 2010 die Akademie gegründet. Viele Firmen und Stiftungen fördern sie mit Geld, mit Kontakten, bringen auch regelmäßig Gründer mit Investoren an einen Tisch. Das Kernstück der Akademie: Ein Studienprogramm "Gesellschaftliche Innovationen", ein Jahr Theorieblock, ein Jahr Praxis und die Entwicklung einer Idee. Alles ganz breit angelegt. "Ob Designer, Wirtschafts-, Geisteswissenschaftler oder Ingenieure - Herausforderungen unserer Zeit können oft am besten interdisziplinär gelöst werden", sagt Oliver Beckmann, Leiter des Programms. So kam die Designstudentin Schmidt an Gelhaus, der im Bachelor "Management Sozialer Innovationen" studierte und jetzt bald den Masterabschluss macht

Der soziale Gedanke muss nicht gleich Mutter-Teresa-Assoziationen wecken. Bei "Nearbees": Honig wird zu 80 Prozent importiert, die Bestäubungsleistung der Bienen lässt sich jedoch nicht einführen.

Schmidts erster Ansatz war der Honighandel - wo doch das Porto schon teuer wäre im Vergleich zum Honig, wo ein Glas für den Postweg zu sperrig ist, zerbrechlich auch. Sie entwickelte einen flachen Kunststoffbeutel, dem man sein Volumen kaum ansieht, der in Briefkästen passt. Die Beutel werden nun an Imker verkauft, von jedem Honig, der über die Plattform verkauft wird, bleibt zudem eine Provision. Reklame brauchte es, die Kunden sollen das Gefühl haben, als äßen sie "quasi Honig von eigenen Bienen", wie Schmidt sagt.