Studium Unternehmen bezahlt Studiengebühren - ganz ohne Gegenleistung

Studentin Cinderella Glücklich

(Foto: Johannes Mairhofer)

Cinderella Glücklich wollte an eine teure Privathochschule, konnte sich aber die Gebühren nicht leisten. Dann wandte sie sich an bekannte Firmen.

Von Felicitas Wilke

Der Geistesblitz traf Cinderella Glücklich am Kühlregal. "Ich stand da vor gefühlt 50 Sorten Fleischsalat, hinter denen jeweils eine Marke und ein Unternehmen steckt", sagt sie. Wenn sich so viele Hersteller am Markt halten können, müssten diese doch "alle Geld wie Heu haben", habe sie gedacht. Und plötzlich kam der 24-Jährigen eine clevere Idee: sie würde Unternehmen darum bitten, ihr Studium zu bezahlen.

Glücklich heißt wirklich so und bei diesem märchenhaften Namen könnte man meinen, sie muss einfach ein Glückspilz sein. Vor allem aber hatte sie große Pläne: Sie wollte Journalism & Business Communication an einer privaten Hochschule in Iserlohn studieren. Der Haken daran: Die monatlichen Studiengebühren lagen damals bei 745 Euro im Monat, das machte in Summe fast 4500 Euro pro Semester. Geld, das Glücklich nicht hatte.

In Deutschland leisten sich zwar viele Parteien, Forschungsinstitute, die Kirchen oder auch Unternehmen eigene Stiftungen und unterstützen mit dem Geld besonders begabte Studierende. Manche bezahlen die Bücher für Vorlesungen, andere kommen für einen großen Teil der Lebenshaltungskosten oder die Studiengebühren auf. Aber Glücklich fand kein Stipendium, für das sie infrage gekommen wäre oder das die Studiengebühren komplett übernommen hätte. Deswegen musste sie sich etwas anderes einfallen lassen.

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Glücklich begann, eine Liste mit zahlungskräftigen Firmen zu führen. Am Ende waren es 86

Glücklich begann, eine Liste mit Unternehmen zu führen, die ihr sympathisch waren. Marken aus dem Supermarkt, aber auch andere, die ihr in den Sinn kamen. Am Ende standen 86 Firmen auf ihrer Liste. Mit einer bunten Bewerbungsmappe, ihren zehn charakteristischsten Eigenschaften und einem Motivationsschreiben versuchte sie die Unternehmen von sich zu überzeugen. "Bald kamen die ersten Absagen und ein paar Angebote, ein Praktikum zu machen", erinnert sich Glücklich.

Kurz nach ihrem Geburtstag meldete sich ein Mitarbeiter des Pharma- und Klinikkonzerns Fresenius bei ihr. Man sei begeistert von ihrer kreativen Idee und wolle die Kosten übernehmen. Wenig später überwies das Unternehmen Monat für Monat das Geld direkt an die Hochschule. Mit den saftigen Studiengebühren hatte Glücklich nichts mehr zu tun. Auch eine Gegenleistung musste sie Fresenius nicht zusichern. "Die waren ganz entspannt und locker", sagt Glücklich.

Inzwischen studiert sie im siebten Semester. Wenn alles glatt läuft, beendet sie ihr Studium in einem halben Jahr. Sie weiß, dass es ein Privileg war, keine Studiengebühren gezahlt zu haben. Doch ein Märchen aus dem Bilderbuch ist ihre Geschichte nicht. Denn die Probleme aller Studenten, teure Mieten und hohe Lebenshaltungskosten, kennt auch Glücklich. Sie erhält kein Bafög, ihre Eltern können sie aber auch nicht komplett finanziell unterstützen. Deshalb musste Glücklich einen Studienkredit bei der KfW aufnehmen und jobbt nebenbei als studentische Hilfskraft auf 450-Euro-Basis.

So gut ihre Idee auch war, Glücklich hat sich damit auch abhängig gemacht. Denn das Unternehmen zahlt die Studiengebühren nur für die vorgesehene Studienzeit. Gerade bangt sie, ob sie ihr Studium in der Regelstudienzeit schafft. Ein Problem, das viele Studenten kennen. "Wenn ich es nicht packe, habe ich ein Problem", sagt sie. Bei ihr kommt erschwerend hinzu, dass sie an Cerebralparese leidet, eine Bewegungseinschränkung aufgrund von Sauerstoffmangel bei der Geburt. Sie sitzt teilweise im Rollstuhl und hat größere Probleme, ihren Haushalt zu stemmen, als das bei anderen Studenten der Fall ist.

Nach ihrem Bachelor-Abschluss hat Glücklich bei dem Unternehmen eine Stelle in Aussicht, für das sie gerade nebenbei jobbt: eine Politikberatung in Düsseldorf, für die sie Bildungsprojekte betreut. Sie wird ihr eigenes Geld verdienen, ihren Kredit zurückzahlen und zum ersten Mal so richtig unabhängig sein.