Studium Wundermittel E-Learning?

Die jeweiligen Landesregierungen entscheiden, welches Verhältnis von Studierenden pro Professur sie für angemessen halten. Es variiert von 51,5 in Mecklenburg-Vorpommern bis 99 in Nordrhein-Westfalen. Wird zur Bemessung die Anzahl an planmäßigem wissenschaftlichem und künstlerischem Personal herangezogen, so variiert diese Quote von 13,8 in Thüringen bis 25,8 in Nordrhein-Westfalen. So kann praktischerweise die Anzahl an Professuren trotz Stellenabbau und steigender Studierendenzahlen immer als angemessen definiert werden. International gelten diese Zahlen jedoch als sehr hoch. Und zweifellos sind sie "exzellenten" Universitäten nicht angemessen.

Wie bewältigen deutsche Universitäten diese hohe Lehrbelastung, die durch das schlechte Betreuungsverhältnis bedingt ist? Die deprimierende Antwort: durch Ausbeutung der Schwächsten im System. In vielen Fächern, insbesondere den Ingenieurwissenschaften, ist oft der einzige Ausweg, Doktoranden und ältere Semester zu Vorlesungen und Übungen sowie der zeitaufwendigen Klausurkorrektur heranzuziehen. Mit dieser sogar die Hochschulgesetze verletzenden Praxis wird der Mangel an Lehrenden verschleiert und durch abhängige Personen kompensiert. Nur so bewältigen einige Fakultäten selbst eine Überlast von mehr als 150 Prozent. Die paradoxe Folge ist eine interne Umverteilung von Ressourcen aus Fakultäten mit geringer zu jenen mit großer Überlast. Es werden also nicht die überlasteten Fakultäten zur Anpassung ihres Lehrangebots an die vorhandene Kapazität aufgefordert - vielmehr werden die voll ausgelasteten Fakultäten bestraft, sie müssen Ressourcen abgeben. Es ist wahrlich ein Stück aus dem universitären Absurdistan.

Typologie der Professoren

Allwissende, Schwerenöter und Drittmittelkönige

Als neues Wundermittel gegen Überlast wird seit einiger Zeit das E-Learning angepriesen. Wird dies wie vom MIT und von Harvard mit Millionen Dollars umgesetzt, dann können sich daraus sogar eigenständige Selbststudiengänge entwickeln. Ähnliches wird in Deutschland seit vielen Jahren von der Fernuniversität Hagen angeboten, wenn auch meist nicht internetbasiert. Sollte der Dienstleistungssektor im Rahmen zukünftiger Freihandelsabkommen vollständig liberalisiert werden, werden solche Angebote sicher auch in Deutschland vermarktet werden, mit weitreichenden Folgen für die gesamte Bildungslandschaft.

Wie sollen unsere Universitäten damit konkurrieren? Die Antwort ist: durch Rückbesinnung auf ihre Tradition und eigentliche Stärke als Präsenzuniversitäten. Und vor allem, jenseits aller Exzellenzwettbewerbe, durch bessere personelle und finanzielle Ausstattung und ein Verhältnis von Lehrenden zu Studierenden, das exzellenten Universitäten angemessen ist. Dann würde wieder die Einheit von Forschung und Lehre im Mittelpunkt stehen und nicht der Zwang, mit möglichst wenig Lehrenden möglichst viele Studierende durchzuschleusen.

Dies erfordert ein Umdenken in der Bildungspolitik. Es sollte nicht nur vor Wahlen die Bedeutung von Bildung als "wichtigstem Rohstoff" betont, sondern danach tatsächlich mehr Geld in Personal und Infrastruktur der Hochschulen investiert werden. Dann müssten auch nicht mehr die Schwächsten im Hochschulsystem seine Mängel kompensieren.

Studium Studierende wollen nicht unterhalten werden

Studium

Studierende wollen nicht unterhalten werden

Es genügt, wenn Professoren effizient lehren, zeigt eine Studie. Co-Autor Jens Nachtwei über fortbildungsfaule Dozenten und konservative Studierende.   Interview von Matthias Kohlmaier