Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek

Jena – Abseits des Paradieses

Die beiden Bilder wollen nicht so recht zusammenpassen. In Jena liegt am Ufer der Saale das "Paradies", ein herrlicher Park mit historischen Brunnen, Wiesen, teils ist er Naturschutzgebiet. Allerlei Wortspiele treiben Universität und Stadt damit, so warben sie schon mit dem Slogan "Paradiesisch wohnen". Das andere Bild bietet sich einige Kilometer entfernt: Neulobeda. Eine Plattenbausiedlung, entstanden in der DDR für die Arbeiter des Carl-Zeiss-Kombinats. Neulobeda ist heute auch Studentenstädtchen, Buden sind billig, leicht zu finden - abseits des Paradieses.

Wie vielen anderen Uni-Städten in den neuen Ländern ist es Jena gelungen, Abiturienten aus dem Westen anzulocken - und die sinkenden Zahlen bei den Landeskindern mindestens auszugleichen. Mit 260 Euro im Schnitt müssen Jenaer Studenten eher wenig für Miete ausgeben, die Blöcke vor den Toren drücken den Mittelwert. Näher an der Uni gibt es aber schlichtweg zu wenig Wohnungen - kaum Leerstand, kaum Flächen zum Expandieren, auch steigende Mieten.

"Leben in die Bude" heißt daher ein neues Projekt in Jena - Studenten sollen bei Witwen oder Eltern mit flügge gewordenen Kindern unterkommen. Und zum Beispiel im Haushalt mithelfen oder einfach durch ihre Präsenz erfreuen. Von Johann Osel

Bild: dpa 8. September 2014, 12:522014-09-08 12:52:07 © SZ vom 08. September 2014/jobr