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Studium:"Wer will dann noch Soziale Arbeit studieren?"

Ein Medizinstudienplatz kostet den Staat viel mehr als ein weiterer BWL-Student. Ist es da richtig, wenn jeder das Gleiche zahlt?

Wößmann: Im Idealfall würde man die Gebühren an den Kosten des Studiums und dem finanziellen Ertrag ausrichten, der durch das Studium entsteht. Aber das ist nicht umsetzbar. Rein praktisch ist es wahrscheinlich am sinnvollsten, wir bleiben bei dem simplen Modell und beteiligen alle gleich.

Meyer auf der Heyde: Wer will dann noch Soziale Arbeit studieren? Viele Fächer würden sich im Vergleich zu einer Ausbildung nicht mehr lohnen.

München: Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik Ludger Wößmann und  Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks Achim Meyer auf der Heyde im Gespräch.

Ludger Wößmann (li.) und Achim Meyer auf der Heyde beim Gespräch im Münchner Ifo-Institut.

(Foto: Stefanie Preuin)

Wößmann: Das betrifft vor allem die sozialen Dienste. Der Arbeitgeber der meisten Absolventen ist hier der Staat. Um genau das zu verhindern, könnte er das spätere Einkommen anheben.

Meyer auf der Heyde: Sie argumentieren nur über den individuellen Ertrag und blenden den gesamtgesellschaftlichen Nutzen aus. Der Staat muss dafür sorgen, dass so viele Menschen wie möglich gut qualifiziert sind - nicht nur die, die er später selbst beschäftigen wird.

Viele Studierende kritisieren, dass zu wenig Geld für Professoren und Tutoren da ist. Könnte man sie von Gebühren überzeugen, wenn sie hier eine Verbesserung spüren - oder ist die Lage doch nicht so schlecht?

Meyer auf der Heyde: Die Hochschulen sind besser finanziert als vor zehn Jahren, aber Geld vom Bund dürfen sie immer nur kurzfristig und zweckgebunden einsetzen. Da muss die Politik umdenken. Das Thema Studiengebühren birgt so viele Konflikte, daran wird sich kein Politiker die Finger verbrennen wollen.

Wößmann: Ich bin mir sicher, dass man eine breite Akzeptanz von Studiengebühren erreichen könnte - vorausgesetzt, man wählt ein nachgelagertes Modell und erklärt den Leute besser als bisher, warum das sinnvoll ist. Anderenfalls gebe ich Ihnen Recht: Einfach zu sagen, wir wollen wieder Studiengebühren einführen, wäre derzeit politischer Selbstmord. Das wird keiner tun.

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