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Studium:"Die kompletten Kosten zu verlangen, wäre verheerend"

Wenn Studierende Miete, Lebensmittel und noch 8500 Euro im Jahr für das Studium zahlen müssen, werden sich viele das nicht mehr leisten können.

Wößmann: Ich sage nicht, dass die Studierenden die kompletten Kosten übernehmen sollten. Wir hatten Studiengebühren von 500 Euro im Semester. Und es haben nicht weniger junge Leute studiert, auch nicht aus Elternhäusern mit weniger Geld.

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Meyer auf der Heyde: Aber viele Studierende sind in Bundesländer ausgewichen, die keine Gebühren verlangten. Wenn Sie diese bundesweit einführen, geht das nicht. Außerdem hatten die Studiengebühren für die Einzelnen verschiedene Konsequenzen: Bei einigen haben die Eltern gezahlt, andere mussten mehr zu Lasten des Studiums arbeiten.

Kinder von besser und schlechter verdienenden Eltern hätten sehr unterschiedliche Studienbedingungen.

Wößmann: Wenn wir es so machen wie bisher. Deshalb schlage ich das Modell der nachgelagerten Studiengebühren vor. Das löst viele Probleme.

Wie stellen Sie sich das konkret vor?

Wößmann: Während Sie studieren, zahlen Sie nichts. Wenn Sie nach dem Studium in Ihrem Beruf Erfolg haben und mehr als einen bestimmten Betrag im Jahr verdienen, zahlen Sie etwas zurück. Auf einmal oder in Raten, das kann man machen wie beim Bafög.

Ludger Wößmann

Jahrgang 1973, Leiter des Ifo-Zentrums für Bildungsökonomik in München und Professor für Volkswirtschaftslehre an der LMU. Als Student musste er in den Semesterferien Nachtschichten in einer Kunststofffensterfabrik schieben, um seine Miete finanzieren zu können. Heute könnte er es sich leisten, einen Teil der Kosten seines Studiums zurückzuzahlen, das ihm der Staat geschenkt hat.

Würden Sie unter diesen Kreditbedingungen einen größeren Anteil der Kosten verlangen als bisher? Es gäbe ja auch Ausfälle ...

Wößmann: Das ist letztendlich eine politische Frage. Die kompletten Kosten zu verlangen, wäre verheerend. Dann würden sich wahrscheinlich viele Leute gegen ein Studium entscheiden. Deshalb schlage ich vor, mit 1000 Euro im Jahr oder etwas mehr einzusteigen und dabei erst mal zu bleiben.

Meyer auf der Heyde: Der administrative Aufwand wäre riesig. Bei 1000 Euro pro Jahr rechnet sich das nicht! Die Gebühren würden daher sehr schnell erhöht werden. Je höher aber die Gebühren, desto weniger Absolventen werden sie zurückzahlen können. Und dann muss der Staat am Ende doch einspringen und verschiebt die Ausgaben nur in die Zukunft.