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Kuriose Studienfächer:Lea von Berg, 25, Mittelalter- und Renaissance-Studien

Lea von Berg, 25, studiert das Masterprogramm Mittelalter- und Renaissance-Studien an der Universität Freiburg.

(Foto: Privat)

Ursprünglich wollte Lea von Berg vor allem "irgendwas mit Sprachen" studieren. Und wählte den Klassiker Germanistik, kombiniert mit Kunstgeschichte im Nebenfach. Mediävistik, also die Wissenschaft, die sich mit der deutschen Sprache und Literatur des Mittelalters befasst, gehört in den Anfangssemestern zu den Pflichtfächern im Germanistikstudium. "Das hat mich gleich gereizt, weil man noch so viel selbst entdecken kann und eine Menge unbeackerter Felder findet", sagt sie. Ein Proseminar im zweiten Semester mit dem Titel "Heitere Dichtung des Mittelalters" brachte sie endgültig dazu, sich für mittelalterliche Literatur zu begeistern. Seitdem lässt sie die Mediävistik nicht los.

Nach dem Bachelor schloss sie gleich ihr Masterstudium an - Mittelalter- und Renaissancestudien, ein interdisziplinär angelegter Studiengang. "Das ist genau das, was ich wollte, gerade, weil hier andere Fächer mit einbezogen werden. Und das beugt dem Fachidiotentum vor. Man kommt nicht weiter, wenn man nicht rechts und links schaut", erläutert die Studentin. Sie hat sich für den Schwerpunkt Germanistik entschieden, dazu kommen Philosophie, Theologie und Geschichte.

Und hinterher? Vielleicht im Museum arbeiten

Derzeit sitzt Berg an ihrer Masterarbeit. Darin beschäftigt sie sich mit der Äbtissin Caritas Pirckheimer, einer bekannten Persönlichkeit zur Zeit der Reformation, die unter anderem im regen Briefwechsel mit dem Maler Albrecht Dürer und dem Gelehrten Erasmus von Rotterdam stand. Wenn alles gut geht, kann sie die Arbeit im Sommer abgeben. Und dann? "Ziemlich sicher werde ich promovieren, und ich würde gerne im wissenschaftlich-akademischen Bereich arbeiten."

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin verdient sie heute schon etwas dazu. Und sie sieht die Berufsaussichten an der Universität realistisch - wie schwierig es ist, tatsächlich in diesem Bereich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, weiß sie. "Ich könnte mir auch vorstellen, in einem Museum zu arbeiten", sagt sie.

Wenn die Freiburgerin gefragt wird, was sie studiert, hat sie manchmal das Gefühl, sich verteidigen zu müssen. "Es gibt eine Menge Vorurteile: Viele denken, wir lesen den ganzen Tag, und fragen, was man denn mit so einem Studium anfangen kann." Lea von Berg geht jedenfalls ganz in diesem Fachbereich auf - und sieht immer wieder Bezüge zur Gegenwart: "Das Studium regt dazu an, Transferleistungen zu vollziehen. Zum Beispiel, wenn wir die Erfindung des Buchdrucks mit der momentanen Digitalisierung vergleichen. Das hat die Kommunikation im Spätmittelalter genauso grundlegend verändert wie die Digitalisierung unsere heutigen Kommunikationsgewohnheiten."