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Kuriose Studienfächer:Karolin Ludwig, 26, Körperpflege

Karolin Ludwig, 26, studiert Körperpflege im Bachelor-Studiengang der Technischen Universität Darmstadt.

(Foto: Privat)

"Körperpflege? Das kann man studieren? Lernst du da, wie man sich richtig wäscht?" Solche Sprüche hat Karolin Ludwig zu Beginn ihres Studiums an der TU Darmstadt oft zu hören bekommen. Inzwischen lächelt sie sie weg.

Körperpflege studiert man, wenn man Berufsschullehrerin werden will und dann zukünftige Friseurinnen und Friseure sowie Kosmetikerinnen unterrichtet. Genau das hat Karolin Ludwig vor. "Das Lehrerding war schon immer in meinem Kopf", sagt sie, "als ich noch an der Berufsschule war, habe ich meinen Mitschülerinnen immer gerne den Stoff erklärt, wenn sie Schwierigkeiten hatten." Sie gab auch Nachhilfe, engagierte sich als Schülersprecherin - und sprach immer schon gerne vor Menschen.

Schwerpunkte in ihrem Studium sind Biologie, Chemie sowie Mode und Ästhetik. Auch Kurse in Didaktik und Pädagogik gehören dazu. Vor allem Chemie und Biologie "gehen sehr in die Tiefe", sagt Ludwig, "Zellbiologie, Dermatologie, Humanbiologie, Allgemeine und Organische Chemie, Kosmetikchemie. Im Seminar Modetheorien lesen wir Texte des Philosophen und Soziologen Georg Simmel und des französischen Philosophen Roland Barthes."

Kritische Analyse von Haarmoden

Nach dem Abitur hatte sich Karolin Ludwig für eine Lehre als Friseurin entschieden. Gleich nach Abschluss ihrer Ausbildung setzte sie noch den Meister drauf und machte sich mit ihrem mobilen Friseursalon "Kopfsache" im hessischen Nidda selbständig. Es lief gut, und so hätte es weitergehen können. "Ich arbeite wirklich gerne als Friseurin, aber ich habe gemerkt, dass ich das nicht mein Leben lang jeden Tag machen möchte", sagt Ludwig.

Inzwischen hat sie neben ihrem Studium einen Job als wissenschaftliche Hilfskraft an der Uni. Und betreibt weiterhin ihren mobilen Friseursalon. "Ich konnte schon einiges umsetzen, was ich im Studium gelernt habe." Ihr Blick auf die Inhaltsstoffe bestimmter Präparate und auf Schönheitsideale sei noch kritischer geworden. "Ich frage mich öfter: Was symbolisieren bestimmte Haarmoden? Muss man das wirklich mitmachen? Was steckt hinter Schönheitsidealen, wie dem Trend, Körperbehaarung zu entfernen?"

Um Berufsschullehrerin zu werden, muss Karolin Ludwig nach dem Bachelor noch einen Master absolvieren, dann das Referendariat. Schon jetzt, während des Studiums, unterrichtet sie im Rahmen einer Hospitation zukünftige Friseur- und Kosmetik-Azubis an der Berufsschule. "Das mache ich wirklich gern", sagt sie. Keine Frage, ihre Studienwahl war die richtige. Nur einen anderen Namen für das Fach solle man sich vielleicht mal ausdenken.