Kuriose Studienfächer:Michael Seidl, 41, Zukunfts-Design

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Kuriose Studienfächer: Michael Seidl, 41, macht den Master in Zukunfts-Design an der Hochschule Coburg

Michael Seidl, 41, macht den Master in Zukunfts-Design an der Hochschule Coburg

(Foto: Sebastian Buff)

Gerade hatte Michael Seidl als Geschäftsführer einer Online-Druckerei in Coburg angefangen, als er durch Zufall vom Studiengang Zukunfts-Design erfuhr: In einem Vortrag ging es um Entwicklungen, die ein Unternehmen in seinem Fortkommen stören können. "Ich hatte sofort die eigenen Probleme in der Druckbranche vor Augen", sagt Seidl. "Uns macht die Verlagerung von Printwerbung in Richtung online immer mehr Probleme. Denn das führt letztendlich zu Preisverfall und Druckereisterben." Schon am nächsten Tag saß Seidl in der Hochschule Coburg im Auswahlgespräch - und bekam gleich die Zulassung.

Seit Oktober 2016 studiert er neben seinem Vollzeitjob Zukunfts-Design im Master-Studiengang. Für ihn lässt sich das gut vereinbaren, denn die Vorlesungen und Projekte sind an den Wochenenden. "Klar kostet das Freizeit, aber ich wollte unbedingt eine Weiterbildung machen", sagt Seidl. Nach dem Fachabitur studierte er BWL, Marketing & Vertrieb an der Hochschule Coburg und arbeitete sieben Jahre als Unternehmensberater - möglich, dass es wieder in diese Richtung geht. Im Januar hat er mit zwei Mitstudierenden die sogenannte Querdenkermanufaktur "Grill dein Unternehmen" gegründet.

Finanzberatung für Ordensschwestern

Eine Besonderheit des Studiums ist der hohe Praxisbezug: Der reine Frontalunterricht in den einzelnen Modulen ist auf ein Minimum beschränkt und geht fließend in die Arbeit an realen Projekten über. Seit diesem Semester sind das 62 Projekte mit insgesamt 41 externen Projektpartnern aus der Region. In diesem Semester arbeiten die Studierenden etwa mit einem Orden zusammen und versuchen, Lösungen für die finanziellen Probleme der Ordensschwestern zu entwickeln. Anders als bei einer Unternehmensberatung handelt es sich grundsätzlich um Projekte mit offenem Ausgang - somit haben die Studierenden die Freiheit, außergewöhnliche Ideen zu entwickeln.

Für Seidl steht jetzt zum Ende des sechsten Semesters eigentlich nur noch die Masterarbeit an. Doch er will sich Zeit lassen: "Das Studium hat mein Mindset, die Art zu denken, nachhaltig verändert. Durch das Arbeiten in interdisziplinären Teams bekommt man einen anderen Blickwinkel auf die Dinge - weit über den Tellerrand hinaus. Zum Beispiel, wenn es um innovative Lösungsansätze geht."

So habe er gelernt, dass die Fragestellung häufig gar nicht unbedingt das Problem sei. Etwa bei der Zusammenarbeit mit einem Bäcker, der von den Studierenden zu einem neuen Kassensystem beraten werden wollte. "Wir haben herausgefunden, dass es für den Bäcker viel mehr bringt, wenn er eine bestimmte, besonders schmackhafte Brotsorte bewirbt", sagt Seidl.

In seinem Studiengang lernte der Gründer zusammen mit Sozialpädagogen, Ingenieuren, Architekten. "Davon profitiere ich sehr. Als BWLer tendiere ich oft zu schnellen, kostengünstigen Lösungen. Dabei ist das auf längere Sicht oft nicht das Beste und nicht das Zukunftsfähigste."

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