Süddeutsche Zeitung

Studium:Studentin will sich Gesichtsschleier nicht verbieten lassen

  • Die Kieler Christian-Albrechts-Universität hat nach einem Konflikt mit einer muslimischen Studentin das Tragen einer Vollverschleierung in Lehrveranstaltungen verboten.
  • Auf dem Campus dürfen Studierende allerdings außerhalb der Veranstaltungen eine Burka oder eine Nikab tragen.
  • Die Studentin will das nicht akzeptieren und gegen das Verbot juristisch vorgehen.

Die Studentin fordert Religionsfreiheit, die Uni sieht die offene Kommunikation in Gefahr: An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gibt es Streit um eine Nikab. Nach einem Konflikt hat die Hochschule das Tragen des Gesichtsschleiers in Lehrveranstaltungen verboten. "Auf dem Campus könnten Studierende aber auch eine Burka oder eine Nikab, die nur einen Augenschlitz zulässt, tragen", sagte Uni-Sprecher Boris Pawlowski.

Das will die betroffene Studentin nicht akzeptieren. Den Kieler Nachrichten erklärte sie schriftlich, sie werde "auf alle Fälle" juristisch gegen diesen Verbotserlass vorgehen. Es hätten sich bereits "mehrere Anwälte" des Falles angenommen. Finanzielle Unterstützung komme von einem Verein, "der sich für religiös Diskriminierte" einsetze.

Die zum Islam konvertierte Studentin war von einem Uni-Dozenten zurechtgewiesen worden, nachdem sie mit Gesichtsschleier zu einem Tutorium erschienen war. Daraufhin hatte das Präsidium das Verbot der Gesichtsverschleierung erlassen und dies damit begründet, dass Kommunikation in Forschung und Lehre nicht nur auf dem gesprochenen Wort beruhe, sondern auch auf Mimik und Gestik. Diese Argumentation hält die Studentin, die sich selbst Katharina K. nennt, für "überzogen, symbolisch und argumentativ haltlos". Das Grundgesetz stehe für persönliche Freiheit, Toleranz und Diversität.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) dagegen begrüßte den Beschluss und kündigte eine Gesetzesinitiative gegen das Tragen von Gesichtsschleiern auch in den Schulen an. Es gebe "keinen aktuellen Fall", bisherige Einzelfälle seien schulintern einvernehmlich geregelt worden. Ähnlich sieht es Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU). Der offene Austausch und die Diskussion seien wesentliche Bestandteile der Hochschulkultur, sagte der CDU-Politiker dem Radiosender ffn. Dazu gehöre neben Sprache auch Mimik und Gestik. "Die Verhüllung des Gesichts widerspricht diesen Gepflogenheiten und schränkt damit die Teilnahme am wissenschaftlichen Diskurs erheblich ein." Die Hochschulen im Land seien eigenständig und könnten im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten entscheiden, wie sie mit solchen Fällen umgehen wollen.

Der Zentralrat der Muslime hält die Vollverschleierung von Frauen nicht für ein einheitliches religiöses Gebot. Bereits vor zehn Jahren äußerte sich der Verband auch ganz eindeutig zur Verschleierung in Bildungseinrichtungen: "Im Unterricht - ob in der Schule oder an einer Uni - ist das Gesichtzeigen pädagogisch und lerntechnisch unverzichtbar."

Die angehende Ernährungswissenschaftlerin Katharina K. sieht das offensichtlich anders. Den Kieler Nachrichten gegenüber erklärte sie, das ganze Semester über regelmäßig und problemlos an allen Lehrveranstaltungen teilgenommen zu haben. Die meisten Professoren hätten ihr auf Nachfrage bestätigt, sie hätten durch die Verschleierung keinerlei Kommunikationshürden gesehen.

Katharina K. will trotz des Verbots ihr Studium in Kiel fortführen: "Ich bin offen für jede nachvollziehbare Einigung, wenn sie ehrlich ist. Aber ich werde mich nicht von der Uni ausschließen oder ausschließen lassen."

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