bedeckt München 17°

Studie zum Studium:Immer mehr Studierende müssen nebenbei arbeiten

Bafög

Neben der Zeit im Hörsaal gehen immer mehr Studierende einem Nebenjob nach.

(Foto: dpa)
  • Für die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks sind Angaben von 60 000 Studierenden ausgewertet worden.
  • Die Daten zeigen, dass immer mehr Studierende einen Nebenjob sowie höhere Zuwendungen von ihren Eltern brauchen, um ihr Studium finanzieren zu können.

24,7 Jahre alt ist der durchschnittliche Studierende in Deutschland, pro Monat hat er 918 Euro zur Verfügung und außerdem ist er in ein Vollzeitstudium eingeschrieben. Das sind nur ein paar Ergebnisse der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (DSW), für die Angaben von 60 000 Studierenden ausgewertet wurden. Wichtig ist ein zentraler Fund der Studie: Der finanzielle Druck auf einen Großteil der gut 2,8 Millionen Studierenden nimmt zu.

Gründe sind nach der Erhebung des DSW vor allem - und wenig überraschend - massiv wachsende Mietkosten sowie eine weiterhin zu niedrige staatliche Unterstützung durch das Bafög. "Weil das Bafög nicht ausreicht, kompensieren das die Studierenden mit vermehrter Erwerbstätigkeit, und die Eltern müssen sie stärker unterstützen", sagte DSW-Präsident Dieter Timmermann.

Die Zahlen aus der aktuellen Erhebung belegen das. Das Gutachten zeigt, dass die Jobber-Quote unter den Studierenden innerhalb von vier Jahren um sechs Punkte auf 68 Prozent kletterte. Das ist insofern bemerkenswert, als für die meisten Befragten ihr Studium bereits quasi ein Vollzeitjob ist. Durchschnittlich wenden sie pro Woche 33 Stunden fürs Studieren auf; 15 Stunden für Lehrveranstaltungen und 18 Stunden für Selbststudium.

Weil es offenbar schwierig ist, daneben noch ausreichend Geld für die laufenden Kosten zu verdienen, sind die Studierenden immer stärker von Zuwendungen ihrer Eltern abhängig. Diese leisten laut Studie durchschnittlich 541 Euro im Monat (2012: 481 €) in Form barer (2016: 407 €, 2012: 358 €) und/oder unbarer Zuwendungen (2016: 309 €, 2012: 251 €). Und nicht nur das: Jeder fünfte Studierende lebt bei seinen Eltern oder bei Verwandten.

DSW-Präsident Dieter Timmermann bedauerte, dass laut Befragung vom Sommer 2016 nur 18 Prozent aller Studierenden Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) erhielten - die niedrigste Quote seit Beginn der 90er Jahre. Hier gebe es "dringenden Handlungsbedarf", betonte Timmermann. Das Studentenwerk plädiert dafür, die Bafög-Sätze regelmäßig zu erhöhen.

Bildungsministerium setzt auf Bafög-Erhöhung

"In vielen Hochschulstädten wird es für Studierende immer schwieriger, preisgünstigen Wohnraum zu finden, wie ihn die Studentenwerke in ihren Wohnheimen anbieten. Gerade Studierende aus weniger vermögenden Haushalten sind dringend auf diese Wohnheimplätze angewiesen", erklärte Timmermann. 41 Prozent der Studierenden, die im Wohnheim lebten, gehörten zum unteren Einkommensquartil. Fast ebenso viele hätten am Ende des Monats kein Geld mehr übrig. "Das zeigt, wie essentiell die Leistungen der Studentenwerke für diese Studierenden sind."

Das Bundesbildungsministerium betonte, die Sozialerhebung spiegle noch nicht die positiven Auswirkungen der Bafög-Erhöhung auf bis zu 735 Euro vom Herbst 2016. Allerdings hatte das DSW schon vor einigen Wochen eine große Studie vorgelegt, wonach auch nach dieser Reform die staatliche Stütze zu niedrig ist. Demnach liegen die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten Studierender bei etwa 1000 Euro pro Monat - und längst nicht alle von ihnen erhalten den Bafög-Höchstsatz.

© SZ.de/dpa/mkoh/lho

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite