Studium Über optimistische und pessimistische Labortiere

Gibt es ein aktuelles Forschungsprojekt, das Ihnen besonders wichtig ist?

Eigentlich sogar zwei. Wir erforschen derzeit, wie man die Methoden verbessern kann, um Tierversuche aussagekräftiger und reproduzierbarer zu machen. Wenn wir schon Versuche an Tieren durchführen müssen, dann soll zumindest sichergestellt sein, dass die Ergebnisse auch einen wissenschaftlichen Wert haben. Auch interessant finde ich aber ein Projekt, bei dem es um die Emotionen von Tieren geht und darum, ob Labortiere optimistisch oder pessimistisch sind.

Wie lässt sich das herausfinden?

Im Endeffekt geht es um die Frage, ob das Wasserglas halb voll oder halb leer ist. Eine Ratte lernt zum Beispiel, sobald ein hoher Ton erklingt, eine Taste auf der linken Seite zu drücken, um eine Futterbelohnung zu bekommen. Bei einem tiefen Ton dagegen muss sie eine Taste auf der rechten Seite drücken, um eine milde Bestrafung zu vermeiden. Ist das sicher erlernt, spielt man einen Ton genau zwischen den ersten beiden und guckt, für welche Taste sich die Ratte entscheidet. Drückt sie links, ist sie eher optimistisch, drückt sie rechts, ist sie eher pessimistisch. Wir versuchen so etwas gerade mit Mäusen in einem Touch-Screen-Test.

Was folgt daraus?

Wenn die Labortiere immer pessimistisch reagieren und damit anzeigen, dass es ihnen nicht gut geht, kann man überdenken, wie man ihre Haltungsbedingungen oder auch den Umgang mit dem Tier verändern kann, damit sie sich wohler fühlen.

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Lassen Sie uns noch ein wenig über den Bereich Lehre sprechen. Welche Studierenden kommen in Ihre Veranstaltungen?

Der Themenkomplex Tierschutz ist eingebettet in den Studiengang Biowissenschaften mit Bachelor und Master sowie in die Masterstudiengänge Biotechnologie und Molekulare Biomedizin in Münster. Das Tierschutzmodul besuchen hauptsächlich Leute, die sich auf Verhaltensbiologie spezialisieren möchten oder den Versuchstierkundeschein machen wollen. Den braucht man, um überhaupt mit Tieren arbeiten zu dürfen, was bei manchen Studierenden für die angestrebte berufliche Laufbahn wichtig ist.

Welche Job-Ziele haben die Studierenden in Ihren Veranstaltungen?

Viele Studierende der Biowissenschaften wollen in die Wissenschaft gehen. Das muss nicht an der Uni, sondern kann auch bei Unternehmen etwa im Pharmabereich sein. Es sind aber auch immer mal wieder Lehramtsstudierende dabei.

Was müssen angehende Studierende für Fähigkeiten und Interessen mitbringen, wenn sie in den Bereich Tierschutz und Verhaltensbiologie gehen wollen?

Liebe zum Tier ist zwar eine gute Grundlage, aber nicht immer der beste Ratgeber, um zu erkennen, wann es einem Tier gut geht und was es braucht. Man sollte also den Wunsch haben, sich mit naturwissenschaftlichen Methoden Fragen zu nähern, die in der Öffentlichkeit ganz selbstverständlich beantwortet werden.

Und welche neuen Lehrveranstaltungen halten Sie im kommenden Sommersemester als Neu-Professorin?

So richtig aufgestockt wird das Kursangebot erst im Herbst. Im Sommersemester werden beispielsweise bioethische Fragen bearbeitet. Dort sollen Studierende lernen, gesellschaftsrelevante Themen kritisch zu reflektieren. Das machen wir anhand der aktuellen Nutztierdebatte, zum Beispiel mit der Frage: Dürfen wir männliche Küken einfach so schreddern?

Dürfen wir?

Natürlich nicht. Aber da gibt es viele Aspekte zu bedenken, und das werden die Studierenden hoffentlich tun.