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Studium:Die Umsätze des illegalen Antikenhandels liegen bei mehreren Milliarden US-Dollar

Dem Assyriologen und Illicid-Verbundkoordinator Hilgert stellen sich darüber hinaus weitere Fragen: Mit welchen Methoden und welchem technischen Gerät muss ein Staat vorgehen, um den illegalen Handel mit Kulturgütern einzudämmen, wie stattet man den Zoll aus? "Das weiß niemand", sagt Hilgert - deshalb dürften die Ergebnisse von Illicid auch in anderen Ländern auf Interesse stoßen.

Wie der Handel mit Antiken aus dem Irak oder Syrien abläuft, ist nicht genau dokumentiert. Doch es gibt heimlich gedrehte Filme und Insiderberichte aus den Kriegsgebieten, sodass zumindest in Umrissen klar wird, was im Nahen Osten passiert. Manchmal sind es Hunderte Bewaffnete, die sich über ein Gelände hermachen, schilderte einmal der politische Direktor der Antikenverwaltung Syriens, Maamoun Abdulkarim. Laut Unesco habe die Plünderung archäologischer Stätten in Syrien mittlerweile "industrielle Ausmaße" angenommen. Auf Satellitenbildern seien "Tausende illegaler Raubgrabungen" zu sehen. Eine ARD-Dokumentation zeigt, wie wertvolle Objekte in Dubai saubere Papiere bekommen, bevor sie dann in europäischen Auktionshäusern landen, wo sie an reiche Sammler verkauft werden - die somit, vielleicht auch unwissentlich, die Terroristen des IS finanzieren.

Weltweit und jährlich liegen die Umsätze des illegalen Antikenhandels bei sechs bis acht Milliarden US-Dollar, schätzen die Vereinten Nationen. Wie viel Geld Kriminelle und Terroristen mit geschützten Objekten aus Syrien und dem Irak machen, bleibt Spekulation. Klar ist aber auch: es wird wohl reichlich sein.

Typologie der Erstsemester

Karriere oder Katerfrühstück?

Mit Islamisten und Terrorismus beschäftigen sich auch diejenigen Islamwissenschaftler, die bei den Sicherheitsbehörden arbeiten. Die Islamwissenschaften haben seit den Anschlägen vom 11. September 2001 eine neue Bedeutung erlangt. Das Interesse am Islam wuchs - und das Nischenfach wurde bei den Studenten zunehmend beliebter. Studierten im Wintersemester 2005/06 noch gut 1500 Männer und Frauen Islamwissenschaften und rund 600 Arabistik, so waren es zehn Jahre später im einen Fach schon mehr als 2400, im anderen rund 750.

Auch das Interesse der Geheimdienste an Arabisten und Orientalisten steigt. Damit beschäftigt sich der Islamwissenschaftler Michael Kiefer von der Universität Osnabrück, der über Radikalisierung forscht und in Düsseldorf Präventionsarbeit leistet. Er kenne viele Kollegen bei den Behörden, sagt er - Bundeskriminalamt, Landeskriminalämter und der Verfassungsschutz stellen laut Kiefer deutlich mehr Islamwissenschaftler ein als beispielsweise Universitäten. Er hat einmal anhand der Zahlen, die er aus Nordrhein-Westfalen kennt, hochgerechnet, wie viele Islamwissenschaftler seit 2001 bei Geheimdiensten und Polizei untergekommen sind; es seien mindestens 300. Sie übersetzen und analysieren Dokumente oder Propagandavideos, zunehmend sei aber auch Prävention ihr Metier, sagt Kiefer. Wie wichtig das sei, habe die Politik glücklicherweise vor einigen Jahren erkannt: "Seitdem wird viel mehr präventive Arbeit geleistet als zuvor." Aktuell sucht etwa das Bundesamt für Verfassungsschutz Mitarbeiter, die Hocharabisch beherrschen.

"Migration ist Grundlage aller kulturellen Entwicklung"

Islamwissenschaftler arbeiten auch in Verwaltungen, in Nichtregierungsorganisationen, in der Flüchtlingshilfe, im Journalismus - oder machen kulturelle Bildungsarbeit, so wie Stefan Weber, der Direktor des Museums für Islamische Kunst in Berlin. Weber hat Arabisch, Persisch, Türkisch und Islamische Kunstgeschichte studiert. Seine Kernaussage: "Migration ist Grundlage aller kulturellen Entwicklung."

Das Berliner Museum und seine Partner entwickeln Schulmaterialien oder widmen sich dem Kulturerbeschutz, indem sie eine Datenbank aufbauen. Sie arbeiten mit Moschee-Gemeinden zusammen und haben ein Programm entwickelt, das jungen Muslimen den positiven Umgang mit Glauben, Kultur und Gesellschaft erleichtern soll. Im Zentrum stehen dabei die Kunstwerke des Museums, laut Weber Symbole für die langen Verbindungen zwischen den Kulturen Europas und des Nahen Ostens, die in der Spätantike wurzeln. "Wir wollen über Architektur und Kunst neue Identitätsbilder vermitteln", sagt Weber, "multi-religiöse und multi-ethnische. Wir möchten jungen Migranten die kulturelle Leistung islamisch geprägter Gesellschaften zur Identitätsbildung anbieten, unabhängig der religiösen Einstellung des Einzelnen."

Arabisch-sprachige Flüchtlinge werden sogar als Museums-Guides ausgebildet, um Geflüchtete ans Museum heranzuführen. "Das zeigt doch, dass die Arbeit sogenannter Orchideenfächer von hoher gesellschaftlicher Relevanz ist", sagt Weber. "Aber wenn man die Frage beantwortet hat, warum sie wichtig sind, muss man auch die Frage stellen: Was können sie leisten?" Ohne überdurchschnittlich viel freiwilliges Engagement geht es in Berlin jedenfalls nicht. "Mein Etat für Projekte und Programmarbeit", sagt Weber, "beträgt genau null Komma null."

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