Studium:Wann geben die meisten Studierenden auf?

Bachelorstudierende brechen später ab

3,8 Semester sind Studienabbrecher im Bachelor durchschnittlich immatrikuliert, bevor sie aufgeben; im Jahr 2008 gaben sie ihr Studium noch anderthalb Semester früher auf. Fast die Hälfte der Abbrecher beendet die Zeit an der Uni jedoch nach wie vor innerhalb der ersten beiden Semester.

Insgesamt hat sich die Studienzeit bis zum Abbruch jedoch seit 2008 deutlich verringert. Im Durchschnitt aller Bachelor- und Staatsexamensstudiengänge verließen Betroffene nach 4,7 Semestern die Hochschule und damit um 1,6 Semester früher als bei der letzten Erhebung.

Die meisten Studierenden scheitern an den Anforderungen

Auch nach den Gründen für den Abbruch haben die Wissenschaftler gefragt. Dort erklärten 30 Prozent der Befragten, dass sie nicht die für ihr Fach notwendigen Leistungen erbringen konnten. Die weiteren Hauptgründe sind mangelnde Studienmotivation und der Wunsch nach einer praktischen Tätigkeit.

Interessant ist, dass elf Prozent der Befragten angaben, an der Finanzierung ihres Studiums gescheitert zu sein. 2008 waren es noch 19 Prozent, womit Geldprobleme offenbar an Bedeutung verloren haben. Kürzlich hatte das Deutsche Studentenwerk eine Studie präsentiert, wonach das Bafög nicht ausreiche, um die Lebenshaltungskosten eines durchschnittlichen Studierenden zu decken.

Migranten brechen das Studium häufiger ab

Bei den Zahlen zu Studierenden mit Migrationshintergrund muss man unterscheiden zwischen sogenannten Bildungsin- und -ausländern. Erstere haben ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland, letztere im Ausland erworben. Umso überraschender ist es, dass die Abbruchquote der Bildungsinländer im Bachelor mit 43 Prozent knapp über der der Bildungsausländer liegt (41 Prozent). Wenngleich die Quoten seit der letzten Erhebung relativ konstant geblieben sind, so ist es auffällig, dass Studierende mit Migrationshintergrund nach wie vor mit überdurchschnittlicher Wahrscheinlichkeit keinen Abschluss erlangen können.

"Die Studie hat verdeutlicht, dass die Bewältigung eines Studiums für Menschen aus Zuwanderungsfamilien eine besondere Herausforderung darstellt. Erstakademiker aus Zuwanderungsfamilien sind sogar doppelt benachteiligt - durch ihren Migrationshintergrund, aber vor allem durch ihre soziale Herkunft", erläutert Wolfgang Rohe, Geschäftsführer der Stiftung Mercator, die die Teilerhebung förderte. Es sei besonders wichtig, bei den Schulen anzusetzen, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Gerade Berufs- und Fachoberschulen würden ihre Schüler nicht ordentlich auf ein Studium vorbereiten.

Viele Abbrecher beginnen eine Ausbildung

Positiv hervorzuheben ist, dass ein halbes Jahr nach der Exmatrikulation fast die Hälfte der ehemaligen Studierenden eine (schulische oder duale) Berufsausbildung begonnen hat. Weitere 31 Prozent sind erwerbstätig. "Die Ergebnisse zeigen [...] auch, dass ein Studienabbruch kein Scheitern der beruflichen Karriere bedeutet" sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Alle jungen Menschen müssten einen qualifizierten Berufsabschluss erlangen - "Studium und Berufsausbildung sind dafür gleichwertige Wege".

Dennoch zeigt die Studie auch: Elf Prozent der Studienabbrecher sind zumindest vorübergehend arbeitslos. Diese Zahl zu verkleinern, dürfte ein wichtiges Ziel für die Zukunft sein - nun, wo das Phantom Studienabbrecher etwas besser bekannt ist.

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