bedeckt München 21°
vgwortpixel

Studienstart:Die Fachschaften initiieren Gruppen, die sich während der gesamten Unizeit treffen

Die Verantwortung für einen Großteil der Einführungswoche liegt an der Frankfurt University of Applied Sciences anders als in Erfurt bei engagierten Studierenden - wie Lisa Jatho. Als Vorstandsmitglied der Fachschaft Wirtschaft und Recht kümmert sie sich an der staatlichen Fachhochschule ganzjährig um verschiedenste Themen, die die Wirtschaftsstudierenden beschäftigen. Zweimal im Jahr ist sie für die Einführungswoche verantwortlich. Bereits seit ihrem zweiten Semester ist Jatho Mitglied der Fachschaft. Sie engagiert sich auch als Tutorin und ist zeitweise Sprecherin der Tutoren.

Sie weiß um ihre Verantwortung: "In den ersten Tagen an einem Studienort ist es wichtig, dass wir den Leuten beim Ankommen helfen. Mit der richtigen Betreuung können wir Ängste nehmen und den Übergang fundamental erleichtern", erklärt die 26-Jährige. Dabei hat eine Fachschaft nicht nur die Aufgabe, organisatorische Fragen zu beantworten oder bürokratische Prozesse zu erklären. "Studium ist auch Teamwork. Wir wollen den Studierenden helfen, eine Gemeinschaft zu formen. Oft ist es ein guter, bunter Mix an Leuten: Die einen kommen direkt von der Schule, die anderen haben durch beispielsweise eine Ausbildung schon viel Lebenserfahrung." Um die verschiedenen Grüppchen zu größeren Gemeinschaften werden zu lassen, veranstaltet die Fachschaft dieser Frankfurter Fachhochschule Spiele zum Kennenlernen, Frühstückstreffen oder Sektempfänge mit Dozenten.

Professor Gute Noten machen noch keinen Professor
Lehren und Forschen

Gute Noten machen noch keinen Professor

Von der Handbibliothek nach Harvard: Eine Anleitung für die Karriere in der Wissenschaft.   Von Larissa Holzki

Die Fachschaften wählen auch Tutoren aus, die die Studiengangsgruppen in ihrer ersten Woche betreuen und von Termin zu Termin begleiten. Tutoren sind sowohl an Universitäten wie Hochschulen in Deutschland verbreitet; ihre Tätigkeiten werden vergütet und sind vertraglich geregelt. Die Auswahl der Studierenden, die den Erstsemestern beim Ankommen helfen sollen, basiert auf mehr als der zeitlichen Verfügbarkeit und der Absicht der Interessenten, etwas Geld zu verdienen: "Uns ist es wichtig, auch neue Tutoren und Tutorinnen zu finden. Sie müssen motiviert und empathisch sein, um den Neulingen beim Vernetzen und Teambuilding während der Veranstaltungen zu helfen", erklärt Lisa Jatho.

Auch Alexander Merget ist Tutor an der Frankfurt University of Applied Sciences und studiert wie Lisa Jatho International Business Administration. Als Auslandsstudent in Finnland hat er erlebt, wie Studierende durch ganz kleine Hilfestellungen auftauen: "Manchmal haben schon ein Scherz oder wenige Worte dabei geholfen, dass das Eis während einer Gruppenveranstaltung gebrochen ist. Die Leute freunden sich dann an, sie sitzen ja im selben Boot."

Studium

Das sind die schönsten Universitäten der Welt

Ältere Studenten helfen als Mentoren

Aber auch im zweiten oder dritten Semester besteht Gesprächsbedarf. Deshalb bemüht sich Jatho, auch nach der Einführungswoche im Austausch mit den Studenten zu bleiben - dafür gibt es kleine Stammtische und große Social-Media-Gruppen. Der 26-Jährigen ist bewusst, dass die Fachschaft die Erstis am Anfang oft überfordert. Doch mit Blick auf die selbstverantwortliche Organisation des Studiums sieht Lisa das als nötig an. Welpenschutz gebe es nicht: "Das ist wie eine Grundausbildung, in der wir die Erstis in der kurzen Zeit möglichst gut vorbereiten müssen, um typischen Fehlern wie verpassten Prüfungsanmeldungen oder falsch belegten Kurse vorzubeugen."

Ein Modell zur Unterstützung über die Einführungswoche hinaus ist das Mentoring-Programm. Das Prinzip: Ein Studierender eines höheren Semesters übernimmt als "Buddy" die Verantwortung für eine Gruppe von zehn bis zwölf "Mentees", um die er sich im ersten Semester kümmert. Im Gegenzug erhält er einen Vertrag als studentische Hilfsarbeit oder eine Anerkennung seines Engagements als Wahlpflichtfach. Im deutschlandweiten Programm "Optimierung des Studienerfolgs", das seit 2011 und bis Ende 2020 aus den Mitteln des Bund-Länder-Programms "Qualitätspakts Lehre" finanziert wird, soll auch dieses Prinzip verbreitet werden. Insgesamt stehen zwei Milliarden Euro dafür zur Verfügung. Das Ziel: die Verbesserung der Studienbedingungen und der Lehrqualität. Insgesamt werden 342 Hochschulen gefördert, die sich zuvor um Fördermittel beworben hatten.

Sandra Wiegand leitet das Mentoringprogramm an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes. Sie erhält überwiegend positive Rückmeldungen dazu: "Das Mentoringprogramm ist ein wichtiger Baustein für die Willkommenskultur." Insbesondere das Vorhandensein von persönlichen Ansprechpersonen und die freundschaftliche Atmosphäre werde von Mentoren und Mentees positiv herausgehoben. "Die Teilnahmequoten liegen bei uns bei 47 Prozent aller Bachelor-Erstsemester." Die Betreuung sei besonders aufgrund der folgenden Herausforderungen nötig: Sprachbarrieren, fehlendes soziales Umfeld, unzureichende Lernstrategien, mangelndes Wissen, wie man einen eigenen Haushalt führt.

Mentoren berichten Wiegand von der Schwierigkeit vieler Erstis, soziale Kontakte zu knüpfen. Auch hier können die Buddys, ähnlich wie Tutoren, helfen: Sie organisieren lockere Treffen und vermitteln Mentees an die jeweiligen Beratungsstellen, wenn etwa spezielle Themen wie Steuerfragen oder psychische Probleme auftreten. Neue Mentoren finden sich wie von selbst: Viele Mentees bewerben sich später als Mentoren.

Sich an der Hochschule sozial zu engagieren, ist eine positive Erfahrung, das bestätigt Lisa Jatho: "Es fühlt sich gut an, wenn die Aufnahme an der neuen Hochschule klappt und man sich direkt wohlfühlt, ohne zu sehr zu bemuttert zu werden. Dazu möchte ich beitragen", erklärt die Wirtschaftsstudentin.

Studium Arbeiterkind

Studieren in Deutschland

Arbeiterkind

Maximilian Winter ist der erste in seiner Familie, der studiert. Ob ein junger Mensch zur Universität geht, hängt bis heute sehr vom Elternhaus ab - und nicht von den Fähigkeiten. Unterwegs mit einem, der sich durchgeboxt hat.   Von Theresa Parstorfer

  • Themen in diesem Artikel: