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Protokolle von Studienabbrechern:"Abschlussarbeiten sind echt nicht mein Ding"

Falsche Vorstellungen - oder schlicht Faulheit? Warum brechen junge Menschen ihr Studium ab? Drei Protokolle.

Stefan Illert, 30, Elektrotechniker:

"Elektrotechnik zu studieren hat sich richtig angefühlt. In der Schule war ich in Mathe und Physik immer am besten. Mir gefällt es, wenn Systeme ineinandergreifen, ich will eine Maschine verstehen, bis zur kleinsten Schraube. 2004 habe ich mich an der TU Darmstadt eingeschrieben, Spezialgebiet Mechatronik. Ich wollte an Flugzeugen arbeiten, die faszinieren mich, seit mein Vater mich als Kind auf die Terrasse des Frankfurter Flughafens mitgenommen hat.

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Es ist schon ein bisschen paradox, dass es dann ausgerechnet die Flugmechanik-Prüfung war, an der ich im Frühjahr 2013 endgültig gescheitert bin. Ich stand damals kurz vor Abschluss meines Diplom-Studiums, hatte mich schon nach Jobs für Ingenieure umgeschaut. Ich habe kurz überlegt, mich auf den Bachelor umschreiben zu lassen, aber mir war schnell klar, dass ein kompletter Neuanfang her muss.

Auf Bewerbungen habe ich einige Absagen kassiert, bis ich vom "Karriereprogramm Handwerk" hörte. Dort werden gezielt Studienabbrecher in Ausbildungen vermittelt. Seit September 2013 lerne ich also bei einer Elektrotechnik-Firma in Kleinheubach. Das praktische Arbeiten gefällt mir gut, die bauen noch große Fertigungsstrecken und Prüfgeräte. Da kann ich Dinge aus dem Studium optimal einbringen. Ich habe ein Lehrjahr übersprungen. Mein Ziel heißt jetzt: Meister. Danach kann ich mir gut vorstellen, in der Firma zu bleiben. Ich schätze, ich musste einfach vom Schreibtisch weg."

Thomas Reinhold, 30, Journalist:

80 Seiten schreiben, die nie jemand richtig lesen wird - darauf hatte Thomas Reinhold keine Lust.

"Abschlussarbeiten sind echt nicht mein Ding. Bei meiner Bachelorarbeit habe ich den Abgabetermin verpasst. Eine Wiederholung kam nicht infrage, es war bereits der zweite Versuch. Zum ersten bin ich gar nicht angetreten. Das Studium - European Studies in meiner Heimatstadt Chemnitz - hat mich eigentlich schon nach zwei Semestern nicht mehr interessiert. Ich habe lieber für die Lokalzeitung geschrieben. Einen ersten Hochschulabschluss bekam ich dann trotzdem, weil die Bachelorarbeit nur ein Viertel der Endnote ausmachte und ich mich für die anderen Prüfungen noch einmal zusammengerissen habe.

Die Einladung zum Eignungstest für den Journalistik-Master an der Uni Leipzig hatte ich da schon im Briefkasten. Die vier Jahre in Leipzig haben mir viel gebracht: Themen finden, Nachrichten schreiben, ein Volontariat. Nur für eine Abschlussarbeit hat es wieder nicht gereicht: Eine Kommilitonin steckte mir dann, dass tagesschau.de in Hamburg Leute sucht. Ich habe mich beworben und den Job bekommen. Die Masterarbeit neben dem Job zu schreiben hat dann nicht so gut geklappt.

Ich halte es heute noch für unsinnig, 80 Seiten zu verfassen, die wohl eh kaum einer lesen wird. Da fehlte letztlich die Motivation, vor allem aber die Zeit. Ich glaube, dass der Job - zumal ich den super gerne mache und die Arbeit für mich genau das Richtige ist - für meinen Lebenslauf viel wichtiger ist. Mein Professor sah das am Ende genauso.

Christoph Schymanski, 33, Buchhändler:

Vom Buchhändler zum Studenten zum Kameramann: Christoph Schymanski

"Ich bin gelernter Buchhändler, komme aus Berlin. Drei Jahre lang habe in meinem Beruf gearbeitet, aber irgendwann keine Perspektive mehr gesehen, keine Möglichkeit zu wachsen. Ich habe dann mein das Abitur nachgeholt. Prima Sache - es gab Schüler-Bafög, meine Klasse am Treptow-Kolleg war ein bunter Haufen, von 25 bis 45 war alles dabei. Das hat sich auch nicht komisch angefühlt. Sobald man in einem Raum saß, war man eben wieder Schüler.

Mit 30 hatte ich dann das Abi in der Tasche und bin nach Rostock gezogen, um Soziologie und Geschichte zu studieren. Leider bin ich nicht so der Zahlenmensch. Das Grundstudium Soziologie besteht aber fast nur aus Methodik und Statistik, schrecklich theoretisch. Die meiste Zeit habe ich mit müden Augen da gesessen. Ein 30-jähriger Student bekommt kein Bafög, muss aber 155 Euro Krankenversicherung zahlen. Das ist viel Geld, da musste ich halt dreimal die Woche nachts in der Kneipe arbeiten, um die Miete zu bezahlen.

Ich habe dann dann schnell den Anschluss verloren. Im Herbst vorigen Jahres kam das Exmatrikulationsschreiben. Als Erstes habe ich meine Bücher in die Bibliothek zurückgebracht und einfach mehr in der Kneipe gearbeitet. Irgendwann bekommt man dann Angst. Also habe ich beschlossen, mich wieder auf den Arbeitsmarkt zu werfen. Im Sommer mache ich ein Praktikum, im Herbst eine Ausbildung zum Kameramann in Babelsberg - ein klassischer Quereinsteigerberuf."

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