Studentischer Wohnungsmarkt Preise für WG-Zimmer steigen deutlich

Verzweifelt suchen viele Studenten nach einer günstigen Bleibe: in Internet-Portalen oder ganz klassisch am Schwarzen Brett.

(Foto: dpa)
  • Der Preis für ein WG-Zimmer ist im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 349 Euro Monatsmiete gestiegen. Das zeigt eine aktuelle Studie.
  • Die Unterschiede zwischen den Städten werden immer größer.
  • Besonders teuer sind Zimmer in München, Frankfurt, Hamburg, Stuttgart und Köln.
Von Benedikt Müller

Für die meisten Studenten, die zum Wintersemester in eine andere Stadt ziehen wollen, ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt in diesem Jahr noch schwieriger als in den Vorjahren. Laut dem Portal WG-Gesucht werden Zimmer in Wohngemeinschaften im Schnitt für 349 Euro pro Monat angeboten. Im vergangenen Jahr lag die durchschnittliche Miete noch bei 330 Euro. Ein Anstieg um gut fünf Prozent.

Dabei werden die Unterschiede zwischen den Städten immer größer. Als besonders angespannt gilt die Lage in München, wo ein WG-Zimmer im Schnitt für 560 Euro pro Monat angeboten wird, gefolgt von Frankfurt (460 Euro). Schwieriger geworden ist die Wohnungssuche auch in den Ballungszentren Hamburg (430 Euro), Stuttgart (425 Euro) und Köln (400 Euro). Zu diesem Ergebnis kommt eine Auswertung des Moses-Mendelssohn-Institutes (MMI) im Auftrag des Immobilien-Entwicklers GBI.

Die größten Städte des Landes ziehen bereits seit einigen Jahren immer mehr junge Menschen an, sagt MMI-Direktor Stefan Brauckmann: "Studierende konkurrieren dort nicht nur mit Auszubildenden und Berufseinsteigern um bezahlbare Wohnungen, sondern etwa auch mit jungen Familien oder alleinstehenden Senioren." Bundesweit studierten zurzeit mehr als 2,7 Millionen Menschen: "Das sind fast 40 Prozent mehr als noch vor zehn Jahren." Nur in sieben Städten beobachtet das MMI, dass sich der studentische Wohnungsmarkt allmählich entspannt, etwa in Hannover, Münster und Würzburg.

Manche Städte schalten Werbung, um Studienplätze zu füllen

Hintergrund ist, dass ein immer größerer Teil der jungen Leute die Schule bis zum Abitur durchläuft und ein Studium aufnimmt. Hinzu kommt, dass viele Bundesländer die Gymnasialzeit verkürzt haben und der Bund zugleich die Wehrpflicht ausgesetzt hat. Beide Reformen haben die Zahl der Erstsemester in den vergangenen Jahren zusätzlich erhöht.

Der Ansturm auf die Unis ist in klassischen Hochschulstädten wie Freiburg, Darmstadt oder Konstanz besonders groß ausgefallen, sagt Brauckmann. "Während manche Universitätsstädte so beliebt sind, dass sie hohe Zulassungsbeschränkungen einführen müssen, schalten andere Standorte massiv Werbung, um ihre Studienplätze zu füllen."

Zudem ist Deutschland als Studienort international beliebter geworden. Die Zahl ausländischer Studierender an hiesigen Hochschulen hat sich seit 1998 fast verdoppelt. Auch die internationalen Studenten zieht es vor allem in Großstädte wie Berlin oder Frankfurt.

Hohe Wohnkosten verschärfen die Ungleichheit

Die Autoren haben sämtliche Hochschulstädte untersucht, in denen mehr als 5000 Studierende eingeschrieben sind. Wie angespannt die jeweiligen Wohnungsmärkte sind, messen sie unter anderem an der Höhe der Mieten, dem Anteil junger Menschen an der Stadtbevölkerung und der internationalen Anziehungskraft der Hochschulen.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) warnt, dass hohe Wohnkosten die Ungleichheit beim Studieren verschärfen. "Wer viel arbeiten muss, um sich seine Wohnung oder sein WG-Zimmer zu finanzieren, dem bleibt weniger Zeit zum Studieren", sagt Achim Meyer auf der Heyde, DSW-Generalsekretär. Hohe Mieten in den Hochschulstädten können auch junge Menschen aus ärmeren Familien davon abschrecken, ein Studium aufzunehmen.

Länder und Städte fordert das DSW auf, verstärkt in bezahlbaren Wohnraum für Studierende zu investieren. Denn während es heute 40 Prozent mehr Studenten gebe als vor zehn Jahren, sei die Zahl der öffentlichen Wohnheimplätze nur um fünf Prozent gestiegen. "Vielerorts sind die Wartelisten sehr lang", sagt Meyer auf der Heide.

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