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Streit in der Wissenschaft:Forscher suchen mit Englisch mehr Aufmerksamkeit

Generell folgen die deutschen Unis dem Trend zur Internationalisierung, der Englisch in den Alltag bringt. Top-Forscher etwa aus den USA wurden über die Jahre angeworben, Deutsch galt da nicht gerade als Einstellungskriterium. Auch für Studenten aus dem Ausland wollen die Unis attraktiver sein. Es gibt Hörsäle, in denen Dozenten mit Muttersprache Deutsch ihre überwiegend deutschen Studenten auf Englisch unterrichten. Bundesweit sind gut 1000 rein englischsprachige Studiengänge gelistet: Anglistik und Amerikanistik natürlich, aber teils auch Chemie, Technik, Psychologie, Wirtschaft; in den Geistes- und Sozialwissenschaften erst wenige.

Wissenschaft arbeite "mit Wörtern, Metaphern, die in dem Denken verwurzelt sind, das auf der jeweiligen Muttersprache beruht", so Burckhart. Zudem sei Englisch "nur anfangs einfach". Kaum ein deutscher Wissenschaftler beherrsche dagegen qualifiziertes Englisch perfekt. Forscher suchten mit Englisch mehr Aufmerksamkeit, "entstellen aber ihre Arbeit, da sie deutsch Gedachtes mit englischen Worten ausdrücken".

Der Fakultätentag will das erörtern. Dabei geht es keineswegs darum, dass am deutschen Wesen die Welt genesen soll; sondern um Mehrsprachigkeit, die Muttersprache nicht ignoriert. Tagungen mit deutschsprachigem Publikum sollten auf Deutsch stattfinden, empfiehlt Burckhart, bei international besetzten Terminen eben mit Simultandolmetschern.

Braucht es eine Deutsch-Quote?

Dass Deutsch in den USA und in England wieder an Renommee gewinnt, ist kaum zu erwarten. Die HIS-Autoren haben auch dort Forscher befragt. Fazit: In der angelsächsischen Welt nimmt Multilingualität ab, vor allem bei jüngeren Akademikern. Hilfreich sein könnten Übersetzungen von Arbeiten, die erst auf Deutsch entstehen. Auch wenn "die Gefahr besteht, dass Erkenntnisse unangemessen dargestellt werden", so die Autoren. Es sei häufig der einzige Weg, "international überhaupt zur Kenntnis genommen zu werden".

Könnte die Politik eine Quote für deutsche Werke setzen? Als vor Jahren schon mal Forscher Alarm schlugen, beschied die Kultusministerkonferenz: Dies sei "keine Materie, die staatlichem Zugriff zugänglich ist".

Das sieht auch Burckhart so. Die Politik müsse aber Anreize schaffen: mehr Geld etwa für Übersetzungen und Dolmetscher an Unis. Nötig seien zudem europäische Instrumente, um den Zitier-Faktor zu messen. Die Professoren selbst seien gefordert, "in der eigenen Sprache zu sprechen, aber die des anderen ausreichend zu verstehen". So appellierte Burckhart an seine Kollegen. Auf Deutsch.

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