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Sprachförderung international:Mal freiwillig, mal Pflicht

Mustereinwanderungsland Kanada: Sprachkurse vor Unterrichtsbeginn

(Foto: Hermes Rivera / Unsplash)

Kinder integrieren, die nicht die Landessprache sprechen: Das ist für viele Staaten eine Herausforderung. Wie machen es zum Beispiel Kanada, Großbritannien, Frankreich und Dänemark?

Es ist eine Herausforderung, vor der praktisch alle westlichen Staaten stehen: Kinder, die nicht die Landessprache sprechen, in die Schulen zu integrieren. Immerhin stammen in den Industriestaaten durchschnittlich 12,5 Prozent der Schüler aus Migrantenfamilien. Manche sprechen die Landessprache - vor allem, wenn es Englisch oder Französisch ist -, andere jedoch nicht. Und jeder Staat hat seine eigenen Methoden, damit umzugehen.

Kanada

Kanada gilt als Mustereinwanderungsland mit einem der migrantenfreundlichsten Schulsysteme der Welt. Hier stammen 37,5 Prozent der Kinder aus Familien, die eingewandert sind. Der Staat sieht Migration als Grundlage für wirtschaftliches Wachstum und will die Zuwanderung in den kommenden Jahren erhöhen. Kinder von Einwanderern und Flüchtlingen werden auf ihre Sprachkenntnisse getestet und können nach einer Bewertung an individuell zugeschnittenen Förderprogrammen teilnehmen. Die Englisch- und Französischkurse sind in dem zweisprachigen Land kostenlos. Sie finden zum Beispiel morgens vor dem regulären Unterricht in Klassenzimmern der Grundschule statt. Aber auch in anderen Fächern haben sogenannte English Language Learners Anspruch auf besondere Betreuung.

Großbritannien

In Großbritannien haben 16,7 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund, damit liegt das Vereinigte Königreich ebenfalls über dem OECD-Schnitt. Für Kinder, deren Muttersprache nicht Englisch ist, gibt es Programme wie zum Beispiel "English as an Additional Language" (EAL). Daran nehmen, so das britische Bildungsministerium, mehr als 1,5 Millionen Schüler teil; damit besucht mehr als jeder fünfte Grundschüler einen EAL-Kurs. Allerdings haben die Schulen ein hohes Maß an Autonomie, sie bestimmen zu einem Großteil selber, wie sie Vorgaben der Schulaufsichtsbehörde umsetzen.

Frankreich

In Frankreich wird die Sprachkompetenz von Kindern, die erst seit kurzem im Land sind, vor der Einschulung von der nationalen Bildungsaufsicht bewertet - ob und wie sie Französisch sprechen, aber auch nach ihren Kenntnissen in anderen Fächern. Wer Probleme hat, kommt in eine sogenannte "Pädagogische Einheit für ankommende fremdsprachige Schüler", bis nach Einschätzung der dortigen Lehrer der Besuch einer normalen Klasse möglich ist. Allerdings kommt die große Mehrheit der Zuwandererkinder aus - meist afrikanischen - Ländern, in denen Französisch weit verbreitet ist.

Dänemark

In Dänemark gibt es eine verpflichtende Bewertung der Sprachentwicklung für Dreijährige. So sollen Sprachprobleme erkannt werden, bevor die Kinder zur Schule gehen. Bei Bedarf erhalten sie eine Förderung in der Kindertagesstätte oder andere staatliche Hilfe.

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