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Deutsche Sprache:Mehr als sieben Prozent der deutschen Muttersprachler sind gering literalisiert

Dabei sind es bei weitem nicht nur Migranten, die es wegen ihrer sprachlichen Nachteile in Deutschland beim Lesen und Schreiben schwer haben. 53 Prozent der Betroffenen sprechen Deutsch als Muttersprache - demnach sind gut sieben Prozent der deutschmuttersprachigen Gesamtbevölkerung gering literalisiert. Die übrigen Betroffenen haben eine andere Muttersprache gelernt und geben zu fast 80 Prozent an, in dieser Sprache sehr wohl anspruchsvolle Texte lesen und schreiben zu können. Im Deutschen aber stellen diese Personen mit einer anderen Herkunftssprache mit 43 Prozent einen weit höheren Anteil, der schlecht Deutsch lesen und schreiben kann. Geflüchtete Menschen, die nicht der deutschen Wohnbevölkerung angehören, sondern etwa in Asylunterkünften leben, haben an der Studie nicht teilgenommen.

Anke Grotlüschen befürchtet, dass die 6,2 Millionen Personen in Deutschland, die schlecht lesen und schreiben, zu den Verlierern der Digitalisierung gehören werden. Schon jetzt erlaubt ihre Studie Rückschluss darauf, dass dem so ist: Diese Menschen benutzen deutlich seltener einen Computer mit Internetzugang, schreiben deutlich seltener E-Mails und seltener Kurznachrichten. "Die Digitalisierung macht es ihnen entschieden schwerer, im Leben klarzukommen, wenn man wenig lesen oder schreiben kann", sagt die Professorin. Sobald etwas im Alltag durch Lesen und Schreiben bewältigt werden müsse, zum Beispiel ein Überweisungsformular, dann "wird das noch einmal doppelt so schwer, wenn man es online machen muss, so Grotlüschen. Schreiben an sich falle diesen Menschen schon schwer, tippen aber noch schwerer, zudem müsse man mit dem Computer oder Apps umgehen können.

Einen Vorteil bieten allerdings die sozialen Medien mit ihren kurzen Botschaften und Sprachnachrichten. Erstere "folgen der Logik des gesprochenen Worts, da ist es nicht so wichtig, ob grammatikalisch und orthografisch alles richtig ist", sagt Grotlüschen. Und die Sprachnachrichten bezeichnet sie als "eine gute Möglichkeit der Teilhabe in sozialen Netzwerken".

Wenn die Hamburger Wissenschaftlerin ihre Studie vorstellt, wird sie in prominenter Begleitung sein. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat sich angekündigt, der hessische Kultusminister Alexander Lorz, in diesem Jahr Präsident der Kultusministerkonferenz, will ebenfalls kommen. Auch Betroffene werden da sein und Vertreter der vielen Programme, in denen Betroffenen geholfen wird. Denn am Ende geht es um Weiterbildung, und da ist die Resonanz auf Angebote noch erschreckend klein. Gerade einmal 0,7 Prozent der gering literalisierten Personen nahmen an einem Alphabetisierungskurs teil.

© SZ.de/mkoh
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