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Sport in der Schule:Bessere Noten durch Bewegung

Der typische Einser-Schüler sitzt den ganzen Tag über seinen Büchern und ist völlig unsportlich? Falsch, besagen Studien. Wer Sport treibt, fördert damit auch seine schulischen Leistungen. Die Aufmerksamkeit steigt, das Stressempfinden nimmt ab.

Werner Bartens

Stimmt eigentlich das alte Klischee vom Streber, der nur Einsen schreibt, aber so unsportlich ist, dass er beim Fußball immer als Letzter in die Mannschaft gewählt wird? Schließen sich Bewegungstalent und gute Schulleistungen aus, wie die Interviews mancher Spitzensportler nahelegen? Wissenschaftler haben immer wieder behauptet, dass Sport die geistige Leistungsfähigkeit verbessert. Forscher aus den Niederlanden beschreiben in den Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine vom heutigen Dienstag, dass Kinder und Jugendliche in der Schule besser abschneiden, wenn sie sich viel bewegen (Bd. 166, S. 49, 2012). Unzweifelhaft belegen können sie diesen Zusammenhang allerdings noch nicht.

Junge beim Fußball

Jugendliche, die Sport treiben, fördern damit auch ihre Leistungen in der Schule. Das lassen Studien vermuten.

(Foto: Robert Haas)

Das Team um Amika Singh von der Vrije Universiteit Amsterdam hat die zwischen 1990 und 2010 erschienenen Fachartikel zum Thema gesichtet. Von den 472 Beiträgen erwiesen sich nur 14 als methodisch aussagekräftig und wurden zur genaueren Analyse herangezogen. In den ausgewählten Studien, in denen mehr als 50.000 Kinder untersucht worden waren, fanden sich zwar mehrheitlich Hinweise dafür, dass Bewegung den Notendurchschnitt anhebt. Die Studiengruppen waren allerdings sehr unterschiedlich.

So hatte in zwei großen Untersuchungen mit jeweils mehreren Tausend Teilnehmern das Ausmaß der körperlichen Betätigung zwar positive Auswirkungen auf die schulischen Leistungen. Allerdings gab es auch Studien, in denen Schüler, die viel Basketball und American Football spielten, schlechter in Mathematik waren und ein dürftiges Leseverständnis aufwiesen.

"Ziehen wir die besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnisse zurate, gibt es einen deutlichen Zusammenhang zwischen mehr körperlicher Betätigung und besseren schulischen Leistungen", schreiben die Autoren um Amika Singh. Naheliegend ist dieses Fazit, denn Sport führt dazu, dass mehr Blut und mehr Sauerstoff zum Gehirn gelangen. Zudem führen die bei körperlicher Tätigkeit vermehrt ausgeschütteten Hormone Noradrenalin sowie die Endorphine dazu, dass die Aufmerksamkeit steigt und das subjektive Stressempfinden abnimmt - alles gute Bedingungen, um besser zu lernen.

"Wir brauchen dennoch mehr hochwertige Studien, die unsere Befunde bestätigen", fordern die Autoren. So ist bisher völlig ungeklärt, von welcher Dosis an Sport die Schulleistungen steigert - und ab wann eine Überdosis droht.

© SZ vom 03.01.2012/holz

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