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Schulschließungen:Keine Coronaferien - aber was dann?

Coronavirus - Bayern

Schlusslichter: Gymnasiasten verlassen ihre schließende Schule.

(Foto: dpa)

Fast alle Bundesländer schließen die Schulen. Wie läuft das Lernen nun? Und für welche Kinder gibt es die Notfallbetreuung? Viele Fragen sind noch offen.

Wie sich die Ereignisse in diesen Tagen überschlagen, zeigt eine E-Mail von Freitag: In einem Frankfurter Gymnasium wies die Schulleitung die Eltern noch am Vormittag unmissverständlich auf "die (noch) geltende Schulpflicht" hin. Wer Sohn oder Tochter "aufgrund der aktuellen Lage zu Hause lasse", könne nicht entschuldigt werden. Dies bedeute auch, dass "dadurch verpasste Arbeiten als Minderleistung gewertet werden müssen". Das klang erst einmal martialisch. Schon wenige Stunden später aber hatte sich die Sache erledigt: Auch die Landesregierung Hessen beschloss am Nachmittag flächendeckende Schulschließungen von Montag an.

Das Saarland hatte am Donnerstag den Anfang gemacht, im Verlauf des Freitags zogen andere Bundesländer nach. Als letztes legte am Samstag Mecklenburg-Vorpommern seine Linie fest, von diesem Montag an sind dort alle Schulen und Kitas flächendeckend bis zum 20. April zu schließen. Drei Länder geben Schulen und Eltern noch etwas Zeit, sich zu sortieren: Sachsen will am Montag zunächst die Schulpflicht aussetzen, Hessen verfährt ähnlich. Brandenburg setzt den regulären Unterricht von Mittwoch an aus, der Schulbesuch ist weiter möglich, aber nicht mehr Pflicht. Für die Landespolitiker waren das zumeist keine leichten Entscheidungen: Schließlich darf weder das Gesundheitssystem zusammenbrechen noch die Polizei oder Feuerwehr den Dienst einstellen, nur weil Eltern in diesen Berufen wegen Betreuungsproblemen nicht arbeiten.

Die Schulpflicht hat zwei Seiten, auch der Staat ist verpflichtet: zu einem schulischem Angebot

Wohl fast überall im Bundesgebiet gibt es daher eine Notbetreuung, mindestens für Kinder der Klassen eins bis einschließlich sechs, sofern deren Eltern im Gesundheitsdienst, bei der Polizei oder bei der Feuerwehr gebraucht werden. Welche Berufe genau dazugehören, können Eltern auf den Internetseiten der jeweiligen Kultusministerien nachschauen. "In kleinen Gruppen während der regulären Unterrichtszeit sowie im Rahmen der bereits in der Schule bestehenden Betreuungszeiten" können zum Beispiel Kinder in Hessen weiter zur Schule gehen. An diesem Montag sollen Gymnasiasten in Hessen noch einmal kurz zur Schule gehen, um ihr Arbeitsmaterial abzuholen, damit sie in der nächsten Zeit weiterlernen können. An einigen Schulen gaben die Lehrer den Kindern die Sachen bereits am Freitag mit.

In Hamburg gibt es derweil ein Angebot auch für Kinder bis 14 Jahre "sowie für die kleine Gruppe älterer Jugendlicher mit speziellem sonderpädagogischem Förderbedarf". Die Betreuung können alle Eltern nutzen, die "aus familiären Gründen darauf angewiesen sind". In der Medienstadt können sogar Journalisten in "begründeten Einzelfällen" das Angebot nutzen. Die Hamburger Schulbehörde appelliert jedoch an die Eltern, ihre Kinder nur in Notfällen zur Schule zu schicken - und natürlich nur dann, wenn sie die letzten 14 Tage nicht in einem Risikogebiet wie der Schweiz, Italien oder Österreich unterwegs waren. Weil in Hamburg gerade die Winterferien zu Ende gehen und viele im Skiurlaub waren, trifft das auf so manchen Schüler zu.

Doch wie geht es nun weiter? "Corona-Ferien" heißt ja nicht, dass es nun keinen Lehrbedarf mehr gibt und Schüler das Lernen einstellen. Schulpflicht ist keine Einbahnstraße: Auch der Staat ist verpflichtet zu einem schulischem Angebot. "Das Lernen der Schülerinnen und Schüler soll möglichst fortgesetzt werden", heißt es daher in einem Schreiben der hessischen Landesregierung an die Schulleiter.

Wie dies genau funktionieren soll, dürfte sich in den nächsten Tagen zeigen. Erhalten die Schüler ihre Material per E-Mail zum Ausdrucken und Abarbeiten oder gibt es sogar digitalen Unterricht? Das deutsche Bildungssystem ist zwar nicht unbedingt vorbereitet auf die Herausforderungen, vielleicht aber beschleunigt die Krise eine ohnehin notwendige Entwicklung. Immerhin: Die meisten Eltern tauschen sich heute in Whatsapp-Gruppen über alles aus.

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© SZ vom 16.03.2020/berk
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