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Schulöffnung:Lehrer und Eltern fordern Abstand

Kultusminister wollen Schutzkonzept für Schulen

Unterricht mit Mindestabstand: Ein Bild, das es nach den Sommerferien nicht mehr geben soll.

(Foto: dpa)

Kleine Klassen und 1,5 Meter zwischen den Kindern? Nach den Sommerferien soll das nicht mehr gelten. An dem Plan der Kultusminister wird Kritik laut.

An dem Beschluss der Kultusministerkonferenz, zum normalen Schulunterricht ohne Abstandsregeln zurückzukehren, wird Kritik laut. Die Bildungsgewerkschaft GEW warnte vor einem Wetteifern um die "weitestgehende Öffnung von Schulen". "Auf das Abstandsgebot von 1, 5 Metern zwischen zwei Menschen in den Schulen zu verzichten, ist der falsche Weg", sagte die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. "Solange die Abstandsregeln - aus guten Gründen - in der Gesellschaft eingehalten werden müssen, muss dies auch in der Schule gelten."

Elternvertreter reagierten ebenfalls skeptisch. "Wir haben nach dem Beschluss mehr Fragen als Antworten", sagte Bundeselternratsvorsitzender Stephan Wassmuth der Süddeutschen Zeitung. "Mir hat ein Erstklässler neulich gesagt, das Virus sei ja jetzt weg. Und so verhält sich leider auch die Politik." Statt eines Verzichts auf Mindestabstände hätten die Kultusministerkonferenz besser einen weiteren Unterricht mit reduzierten Klassengrößen empfehlen sollen - im Zweifel müssten die Kommunen die dafür benötigte Räume in Vereinsheimen anmieten oder an den Schulen zusätzlich Containerbauten aufstellen, so sein Vorschlag.

Der Epidemiologe und SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte davor, sich in falscher Sicherheit vor dem Corona-Virus zu wiegen. "Es ist noch nicht klar, wie stark Kinder sich und Erwachsene infizieren", schrieb er bei Twitter. "Auf Grundlage vorliegender Daten" sei ein Unterricht mit 30 Kindern "ohne Abstand im Herbst nicht sicher". Studien haben zuletzt gezeigt, dass Kinder zwar seltener erkranken, das Virus womöglich aber nicht weniger häufig als Erwachsene an andere weitergeben.

Die Bildungsministerinnen und Bildungsminister der Bundesländer hatten am Donnerstag verabredet, nach den Sommerferien deutschlandweit zum regulären Schulbetrieb zurückzukehren. Abstandsregeln sollten dafür, "sofern es das Infektionsgeschehen zulässt", entfallen, "entsprechende Hygienemaßnahmen" aber weiterhin gelten. Welche das sein könnten, wird in dem Beschluss nicht konkretisiert. Eine Maskenpflicht an Schulen sei in der Runde jedenfalls "nicht weiter diskutiert worden", sagte ein Sprecher der Kultusministerkonferenz der SZ.

© SZ vom 20.06.2020
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