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Schulen - Mainz:Neue Studie: Verband beklagt zunehmende Gewalt gegen Lehrer

Ausbildung
Ein Mann geht an einem Schild vorbei, das den Weg zum Lehrerzimmer weist. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Symbolbild (Foto: dpa)

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Mainz/Berlin (dpa/lrs) - Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Rheinland-Pfalz beklagt unter Berufung auf eine neue Studie eine steigende Gewalt gegen Lehrer. "Beleidigungen, Diffamierungen und körperliche Angriffe nehmen zu", kritisierte der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Bold.

Das Meinungsforschungsinstitut Forsa hatte im Januar und Februar dieses Jahres im Auftrag des VBE bundesweit rund 1300 Schulleitungen repräsentativ befragt, darunter 114 in Rheinland-Pfalz. Die am Donnerstag vorgestellte Studie ist nach Angaben des Lehrerverbandes auch für das Bundesland repräsentativ, wo 2020 erstmals landesspezifische Ergebnisse vorlagen. Die Studie zeige, "dass die Gewalt gegen Lehrkräfte seit 2018 an allen Schulformen deutlich zugenommen hat".

Bundesweit gaben dem VBE zufolge 34 Prozent der befragten Schulleitungen an, dass an ihrer Schule in den vergangenen fünf Jahren Lehrer körperliche Gewalt erlebt hätten. Bei der Vorgängerumfrage 2018 seien es noch 26 Prozent gewesen. Knapp 30 Prozent berichteten demnach in Rheinland-Pfalz von Fällen in den vergangenen fünf Jahren, in denen Lehrkräfte Opfer körperlicher Gewalt geworden seien.

61 Prozent der Schulleitungen bundesweit berichteten nach den Angaben jetzt von direkter psychischer Gewalt in den zurückliegenden fünf Jahren - zwei Jahre zuvor hatte dieser Wert noch bei 48 Prozent gelegen. In Rheinland-Pfalz gaben dies für die vergangenen fünf Jahre 30 Prozent an.

Eine ähnliche Steigerung zeigte sich laut VBE auch bei der psychischen Gewalt über das Internet: Hatten 2018 noch bundesweit 20 Prozent der Schulleitungen davon berichtet, waren es nun 32 Prozent. Ebenfalls knapp ein Drittel der befragten Schulleitungen aus Rheinland-Pfalz bestätigte dies.

VBE-Landeschef Bold kritisierte eine mangelnde Unterstützung durch die Politik: "Das Bildungsministerium in Rheinland-Pfalz lässt zwar verlauten, dass jede Gewalttat eine zu viel sei - jedoch sehen sie nicht, dass Gewalt zunimmt, und verspricht lediglich, Handreichungen zu überarbeiten." Bisherige Entwürfe dazu kämen aus anderen Bereichen wie der Polizeiarbeit und seien für Schulen nicht anwendbar.

Der stellvertretende Landesvorsitzende Lars Lamowski forderte am Donnerstag einen massiven Ausbau der Schulsozialarbeit. "Wir brauchen die Unterstützung bereits in den Grundschulen." Statt eines stufenweise abzuarbeitenden Maßnahmenkatalogs soll das Land nach Vorstellung der VBE ein Handlungskonzept erarbeiten, mit dem "schnelle, anonyme und praktische Hilfe" möglich werde.

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