SchuleWie funktioniert mein Handy? Wie klappt es mit der KI?

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28 Pilotschulen in Rheinland-Pfalz starten mit dem Pflichtfach Informatik. (Archivbild)
28 Pilotschulen in Rheinland-Pfalz starten mit dem Pflichtfach Informatik. (Archivbild) Marijan Murat/dpa

Beim Fach Informatik geht's nicht um Nischenwissen für Nerds, sondern auch um Tiktok und Insta, kündigt der Bildungsminister an. Nach den Sommerferien kommt es zum Praxistest im Unterricht.

Direkt aus dem dpa-Newskanal: Dieser Text wurde automatisch von der Deutschen Presse-Agentur (dpa) übernommen und von der SZ-Redaktion nicht bearbeitet.

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Wörrstadt (dpa/lrs) - Wie funktionieren mein Handy, der Laptop und die Spielekonsole? Warum betrifft mich KI? Wie arbeitet das Internet? Sind meine Daten sicher? Diese Fragen sollen Thema im neuen Pflichtfach Informatik sein, das nach den Sommerferien in 28 Pilotschulen in Rheinland-Pfalz startet. 

„Es geht hier nicht um Nischenwissen für Nerds, sondern um ganz praktische, lebensnahe Fragen aus dem Alltag der Schülerinnen und Schüler“, erklärte Bildungsminister Sven Teuber (SPD) in Wörrstadt. Der Informatikunterricht werde damit neben der Vermittlung von Medienkompetenz zu einem weiteren wichtigen Baustein der Zukunftsbildung.

Welche Inhalte stehen im Zentrum des Fachs?

„Wer surft, der muss wissen, wie das World Wide Web funktioniert“, betont Teuber. „Wer auf Insta, Tiktok oder Snapchat postet oder chattet, der muss wissen, was ein Algorithmus ist und wie der wirkt. Es geht dabei um viel mehr als Nullen und Einsen, es geht um das Grundverständnis von Digitalität.“ Dieses Wissen müsse allen jungen Menschen vermittelt werden. Digitale Kompetenz stärke auch die Demokratiebildung.

Ab dem Schuljahr 2028/2029 soll Informatik als Pflichtfach Schritt für Schritt ab der Klassenstufe sieben an allen weiterführenden Schulen eingeführt werden. (Archivbild)
Ab dem Schuljahr 2028/2029 soll Informatik als Pflichtfach Schritt für Schritt ab der Klassenstufe sieben an allen weiterführenden Schulen eingeführt werden. (Archivbild) Elisa Schu/dpa

Wer macht mit in der Pilotphase?

22 Gymnasien, vier Realschulen plus sowie zwei integrierte Gesamtschulen starten zum neuen Schuljahr 2025/26 mit der Einführung des Pflichtfachs Informatik. Eine ausreichende IT-Ausstattung, mindestens zwei Informatiklehrkräfte und die Umsetzung des Medienkompasses in der Orientierungsstufe waren unter anderem die Grundlage für die Entscheidung der Schulaufsicht und des Bildungsministeriums für diese Pilotschulen. 

Welche Pläne hat das Bildungsministerium?

Ab dem Schuljahr 2028/2029 soll Informatik nach den Plänen des Ministeriums als Pflichtfach Schritt für Schritt ab der Klassenstufe sieben an allen weiterführenden Schulen eingeführt werden. Vorgesehen sind vier Stunden Unterricht in der Stundentafel. Vorab konnten sich Schulen für die vorzeitige Einführung des Pflichtfachs bewerben.

Es gehe nicht um Nischenwissen für Nerds, sondern um lebensnahe Fragen aus dem Alltag der Schülerinnen und Schüler, erklärte Bildungsminister Sven Teuber. (Archivbild)
Es gehe nicht um Nischenwissen für Nerds, sondern um lebensnahe Fragen aus dem Alltag der Schülerinnen und Schüler, erklärte Bildungsminister Sven Teuber. (Archivbild) Andreas Arnold/dpa

Wie verschiebt sich die Unterrichtstafel?

Die vier zusätzlichen Stunden Informatik werden folgendermaßen in die Stundentafel integriert:

- eine Stunde zusätzlich - Kürzung um eine Stunde im Fach Naturwissenschaften in der Orientierungsstufe und gleichzeitige Verschiebung einer Stunde Sport von der Mittelstufe in die Orientierungsstufe- Kürzung um eine Stunde in einer Naturwissenschaft (für Gymnasien in Physik) in der Mittelstufe - Kürzung um eine Stunde in einem weiteren Fach in Verantwortung der Schule 

Dabei ist eine Kürzung in den Fächern Deutsch, Mathematik, Religion/Ethik sowie in den naturwissenschaftlichen und gesellschaftswissenschaftlichen Fächern ausgeschlossen.

Was sag die Bildungsgewerkschaft GEW dazu?

Die GEW findet das Vorhaben gut. Die Teilnahme aller Kinder und Jugendlichen am Informatikunterricht sei ein wichtiger Beitrag im digitalen Zeitalter. Allerdings verfügten Schulen mit eingerichteten Computerräumen oftmals nur über 15 Arbeitsplätze mit PCs in einem Computerraum. Ein Unterricht im Klassenverband sei so nur schwer möglich. Die Computer müssten zudem mit spezieller behindertengerechter Hardware ausgestattet werden, damit Schülerinnen und Schüler in den Förderschulen auch am PC arbeiten können.

Wie steht die Wirtschaft zum neuen Pflichtfach Informatik?

Die rheinland-pfälzische Wirtschaft freut sich über die Pläne des Bildungsministeriums. „Digitale Kompetenzen sind heute Grundvoraussetzung in nahezu allen Berufen“, sagte ein Sprecher der Landesvereinigung Unternehmerverbände (LVU). Schülerinnen und Schüler sollten daher frühzeitig nicht nur als Nutzer, sondern mit grundlegenden Kenntnissen in Programmierung und Datenstrukturen ausgestattet werden.

Wie funktionieren mein Handy, der Laptop und die Spielekonsole? Warum betrifft mich KI? Um diese Themen soll es im Informatikunterricht gehen. (Archivbild)
Wie funktionieren mein Handy, der Laptop und die Spielekonsole? Warum betrifft mich KI? Um diese Themen soll es im Informatikunterricht gehen. (Archivbild) Marijan Murat/dpa

Gibt es ausreichend gut ausgebildete Lehrkräfte für das Fach?

Nach Einschätzung der LVU fehlt es an ausreichend qualifizierten Lehrkräften. Es müsse mehr Studienplätze, attraktive Rahmenbedingungen für Lehramtsstudierende der Informatik sowie praxisorientierte Fortbildungen für bereits tätige Lehrkräfte geben. Quereinsteiger aus der Praxis können eine Unterstützung sein, um die Anwendbarkeit des Fachs zu vermitteln. Wichtig sei dabei eine fundierte pädagogische Qualifizierung. 

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) geht davon aus, dass in absehbarer Zeit nicht genügend Lehrkräfte für das Fach Informatik zur Verfügung stehen werden. Die GEW befürchtet außerdem, dass es durch die sich stark unterscheidende Qualifikation von Informatiklehrkräften - abgeschlossenes Staatsexamen, Seiteneinsteiger, Lehrkräfte mit Erweiterungsstudium und durch das pädagogische Landesinstitut weitergebildete Lehrkräfte - zu unterschiedlichen Qualitätsstandards im Unterricht kommt. 

Ist Informatik auch spannend für Mädchen und junge Frauen?

Um mehr Mädchen und junge Frauen für MINT-Fächer - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik - zu gewinnen, braucht es nach Einschätzung der rheinland-pfälzischen Unternehmer eine frühe Ansprache, weibliche Vorbilder und praxisnahe Projekte, die den gesellschaftlichen Nutzen technischer und digitaler Innovationen hervorheben. 

In vier Stunden soll Informatik unterrichtet werden. (Archivbild)
In vier Stunden soll Informatik unterrichtet werden. (Archivbild) Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa

Bereits in der frühen Kindheit sollten naturwissenschaftliche Inhalte spielerisch vermittelt werden, um Interesse und Selbstvertrauen zu wecken, fordert die GEW. In der Schule braucht es nach Meinung der Bildungsgewerkschaft einen gendergerechten Unterricht, der stereotype Rollenbilder abbaut und alle MINT-Fächer, insbesondere Informatik und Technik, gleichwertig anbietet.

Wo kann Informatik auf Lehramt studiert werden?

An vier von fünf Universitäten in Rheinland-Pfalz kann mittlerweile Informatik auf Lehramt studiert werden. Das Land hat nach Angaben des Bildungsministeriums zudem den Quer- und Seiteneinstieg erleichtert. Außerdem gibt es demnach Fort- und Weiterbildungen für das neue Pflichtfach.

© dpa-infocom, dpa:250630-930-736471/1

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