Schule:"Ungerechtigkeiten werden noch öfter kommen im Leben"

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Bleiben Sie also hartnäckig und, ganz wichtig, belegen Sie Ihre Anschuldigungen. Notieren Sie, in welcher Stunde die Lehrkraft ein Kind wie beschimpft hat. Wenn so etwas passiert, bekommt das ja gewöhnlich auch der Rest der Klasse mit und kann es später bezeugen.

Spielt Antipathie sogar bei der Notengebung eine Rolle, sieht der Schulleiter verschiedene Möglichkeiten: "Geht es um eine vermeintlich ungerecht bewertete Schulaufgabe, kann ich anordnen, dass sie vom Fachbetreuer nachkorrigiert wird. Bei mündlichen Noten ist die Beweislage natürlich schwieriger. Hier würde ich den Kollegen fragen, wann und wie er die Note gemacht hat." Das ist aber wirklich erst der letzte Schritt der Eskalation.

Was eine Schulpsychologin sagt

Schüler und Lehrer können nicht immer beste Freunde sein. Wenn die schlechte Beziehung sich aber auf die Motivation auswirkt, kann das langfristig Probleme bedeuten. Daher sollten Sie gegensteuern und eventuell das Beratungsangebot an der Schule wahrnehmen. "Ungerechtigkeiten werden noch öfter kommen im Leben", sagt die Münchner Schulpsychologin Michaela Huber, "man braucht Strategien, wie man damit umgeht."

Huber warnt davor, als Elternteil zu sehr mit dem eigenen Kind mitzuleiden. Wenn Eltern sich zu sehr einmischten und das Kind in seiner Situation immer weiter bestätigten, täten sie ihm nichts Gutes. Besser sei es, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Auch Michaela Huber versucht in Beratungsgesprächen, betroffene Kinder zu ermutigen, mit dem Problem umzugehen - ohne dass sie selbst sofort den beschuldigten Kollegen konfrontiert. "Wenn man sich da zu schnell vor den Karren spannen lässt, trägt man dazu bei, das Kind noch weiter zu entmündigen. Und das, obwohl es sich in der Situation mit dem Lehrer schon entmündigt sieht."

In der Beratung geht es Huber darum, Schüler anhand ihrer eigenen Persönlichkeit zu coachen. Ist das Kind selbstbewusst, unterstützt sie es dabei, selbst das Gespräch mit dem Lehrer zu suchen. Ist es eher unsicher, wird es darum gehen, mit unterschwelligeren Methoden zu arbeiten. "Woran genau mache ich meine Einstellung fest? Wie kann ich meine Einstellung überprüfen?" - Antworten auf diese Fragen erarbeitet sie mit schüchternen Kindern gemeinsam. So bekommt das Kind im Idealfall eigene Strategien an die Hand, mit denen es sich auch künftig bei ähnlichen Streitereien zu helfen weiß.

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