Kirchliche Bildungseinrichtungen "Wir sind nicht in einem Idyll"

Viele Eltern wollen zudem gute Bildung, verständlich. Und gern ein bisschen mehr. Dies wird ja regelmäßig vorgebracht, von Soziologen und Bildungsforschern. Sie sprechen dann davon, dass Eltern "Distinktionsmerkmale" suchen - wenn heutzutage alle Abitur machen, dann soll es wenigstens ein besonderes sein, eine Art Abitur plus. Das ist eine Erklärung für die Nachfrage nach dem i-Tüpfelchen, in dem Fall dem katholischen i-Tüpfelchen.

Nun ist eine kirchliche Schule kein Garant für gute Bildung, ohnehin lässt sich beobachten, dass private Schulen in der Wahrnehmung oft automatisch einen guten Ruf genießen und viele öffentliche Schulen grundlos schlechtgemacht werden. Aber am Irmgardis-Gymnasium gibt es tatsächlich gute Bedingungen. Die Lehrer werden von der Schulleitung ausgesucht, nicht zugewiesen, Folge: motivierte Pädagogen. Wenig Stunden fallen aus, bei Vertretungen ("Auch katholische Lehrer haben mal eine Grippe", feixen sie im Kollegium) wird über ein System von Mappen an den Stoff angeknüpft.

Und die Ausstattung: Freie Schulen erhalten vom Staat einen Zuschuss pro Schüler, bundesweit variierend, in NRW sind es gut 90 Prozent der Kosten. Schulgeld können Schulen verlangen von den Familien, die Kölner nehmen keines. Den Rest, oder auch mehr, stemmt der Träger. Das Erzbistum Köln gilt nicht gerade als verarmt. Das sieht man. In den Klassen stehen digitale Activ-Boards statt Tafeln, die Turnhalle ist ganz neu, es gibt Laborplätze für Schüler.

8,7 Prozent

So hoch ist der Anteil der Schüler, die eine allgemeinbildende Schule in freier Trägerschaft besuchen. 27 Prozent aller Eltern würden ihr Kind gerne auf eine Privatschule schicken. Mit zusammen 2000 Schulen tragen katholische und evangelische Kirche die meisten Einrichtungen. SZ

Das ist hier wichtig. An der Pforte sticht ein Schild ins Auge. "Mint-EC-Schule" steht darauf, die Kölner sind einem Verein beigetreten und bieten ein Extra-Programm in Mint-Fächern - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik. Schüler wählen Projekte und Kurse aus, können Zertifikate erlangen. Man legt großen Wert auf diese Fächer. In Biologie, elfte Klasse, analysieren sie heute Wasserflöhe und wie sich deren Herzschlag unter verschiedenen Temperaturen verändert - je zwei Schüler an einem Mikroskop. Kriminalbiologie hieß ein Seminar, da gab es Experimente, einmal haben sie Fleisch liegen lassen und später die Larven beobachtet. Kein schöner Anblick, aber lehrreich. So etwas spricht sich rum. "Der Eltern-Funk zum Thema weiterführende Schule startet schon in der zweiten Klasse, dann beginnen alle nervös zu werden", sagt Roche.

Als Ort für wohlhabende Bildungsbürger sieht man sich aber nicht. "Auch hier gibt es Konflikte und soziale Problemlagen", sagt Friker, "wir sind nicht in einem Idyll." Woran merkt man das? Anträge an den Förderverein, den teuren Taschenrechner zu bezahlen, habe man immer wieder mal.

Man will keine Bonzen-Schule sein

Das sagen kirchliche Schulen übrigens oft, auch wenn man andernorts nachfragt. An einer evangelischen Schule in Brandenburg, die 2012 den Deutschen Schulpreis erhalten hat, hieß es damals: "Wir sind keine Insel der Seligen." Oder der Direktor einer katholischen Mädchenrealschule in Bayern, er hatte mal bei einem Pressetermin demonstrativ betont: "Wir bilden keine Heiligen aus."

Eines will man also nicht sein: Bonzen-Schule. So waren die Irmgardis-Lehrer wenig erfreut, als bei den Abi-Motto-Wochen die Devise hieß: "Bauern versus Bonzen." Bauern waren die Schüler eines nahegelegenen Gymnasiums, Bonzen waren die vom Irmgardis. In Köln wird das Abitur immer sehr rege gefeiert, dazu gehört auch, dass sich Absolventen verschiedener Schulen gegenseitig veräppeln; das war jüngst sogar deutschlandweit in den Medien zu lesen, als es zu Randalen mit Verletzten kam. Im Vergleich dazu ist der Bonzen-Stempel annehmbar, das Kollegium legte die Causa als "ironische Spielerei" zu den Akten.

Und was sagen die Schüler? Der Elite-Ruf sei ja übertrieben, "aber ein bisschen stimmt's doch", meint ein Mädchen. Ein anderer erzählt: Bei Klausuren, wenn die Handys vorn am Pult abzulegen sind, sehe man: viele neue iPhones. Kirchliche Schulen müssten sich, sagte kürzlich Kardinal Marx, weiter öffnen. Es dürfe nicht der Eindruck entstehen, dass sie nur für bestimmte Schichten da seien.

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