Schule:"In der Peters-Projektion ist Afrika langgezogen wie eine Zuckerrübe"

Dass im Endeffekt aber alle Projektionen ihre Schwächen haben, weiß Thomas Michael. "Die Peters-Projektion hat sich nicht durchgesetzt, weil ich Kontinente, die ich auf dem Globus sehe, auf der Karte nicht wiedererkennen kann", sagt der Geschäftsführer der Westermann Kartografie. Der Verlag ist verantwortlich für die Darstellung der Welt im an Schulen weitverbreiteten Diercke-Weltatlas. "In der Peters-Projektion ist Afrika langgezogen wie eine Zuckerrübe." Schaut man sich das Innere des Kontinents an, wird diese Verzerrung zum Problem. "Die Lagebeziehungen der afrikanischen Länder untereinander stimmen nicht mehr richtig", sagt Michael.

Die Winkel-Tripel-Projektion werde in der Schule hauptsächlich verwendet, "weil sie die Kontinente noch formentreu zeigt, aber gleichzeitig die Größenverhältnisse besser wiedergibt als die Mercator-Projektion", sagt Michael. Damit sich die Schüler die richtigen Größenverhältnisse einprägen, zeigt der Schulatlas außerdem alle Kontinente im gleichen Maßstab. "Wenn ich Europa auf einer Doppelseite darstellen will, dann bekommt Afrika eben zwei Doppelseiten, das ist auch eine Ansage", sagt Michael.

Damit will der Verlag der Kritik an der eurozentrischen Weltkarte gerecht werden, bei der Europa im Mittelpunkt steht und unverhältnismäßig groß wirkt. Dem begegnet etwa auch die Organisation Engagement Global, die im Auftrag des Entwicklungsministeriums die Weltkarte "Perspektiven wechseln" gebastelt hat. Sie zeigt die Gall-Peters-Projektion - auf dem Kopf stehend; der Riesenkontinent Afrika ist im Mittelpunkt, das kleinere Europa wandert an den Rand. Das soll den Betrachter zum Nachdenken anregen.

Die Gall-Peters-Projektion

Aber zurück in den Erdkundeunterricht: Die eine, richtige Abbildung für die Schulen gibt es laut Geografie-Experte Thomas Michael nicht. Welche sich am besten eigne, sei auch vom Thema abhängig. Die gängige Karte, die die Welt im Pazifik schneidet, sei für die Globalisierungskunde beispielsweise ungeeignet: "Auf dieser Karte sieht es so aus, als hätte die linke Seite mit der rechten Seite der Erde nichts zu tun."

Tatsächlich liegt zwischen diesen Erdteilen aber ein wichtiger Transport- und Kommunikationsraum. Im Schulatlas wird das Problem gelöst mit einer Karte, die Amerika zweimal zeigt, an beiden Rändern. "Darauf kann man sehen, dass Hawaii ein riesiger Hotspot ist, wo sich Überseekabel, Schifffahrtswege und Flugverbindungen kreuzen", erklärt Michael.

Mit diesem Kartenmaterial kann man gut unterrichten, findet Geografielehrer Wolfgang Gerber, Vorstandsmitglied im Verband Deutscher Schulgeographen. Natürlich sei "eine möglichst realistische Darstellung der Größenverhältnisse wichtig". Aber das Thema Projektion spiele im normalen Unterricht eine untergeordnete Rolle. "Schule muss nicht immer detailliert sein, sie darf auch und muss sogar an gewissen Stellen generalisiert sein", sagt Gerber.

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