bedeckt München 24°

Schule:Sechs Prozent der Lehrkräfte wurden schon körperlich angegriffen

Lehrer-Warnstreiks in Sachsen

Lehrkräfte wünschen sich mehr Hilfe von der Politik, wenn es um Gewalt an den Schulen geht.

(Foto: dpa)
  • Laut einer Umfrage sind sechs Prozent der Lehrkräfte in Deutschland schon körperlich angegriffen worden.
  • Auch psychische Gewalt hat fast ein Viertel der Befragten bereits erlitten
  • Grundlage ist eine repräsentative Forsa-Umfrage unter insgesamt fast 2000 Lehrerinnen und Lehrern bundesweit.

Besonderes Aufsehen hatte ein Fall in Niedersachsen erregt: Ein 14-jähriger Gymnasiast soll seinen Lehrer bei einer Klassenfahrt mit einem Schnürsenkel gewürgt haben. Zuvor hatte der Lehrer ihm das Handy abgenommen. Der Fall landete im vergangenen Frühjahr vor Gericht.

Mit Gewalt gegen Lehrkräfte beschäftigt sich nun eine Umfrage des Lehrerverbandes Bildung und Erziehung (VBE). Demnach sind sechs von 100 Lehkräfte schon einmal körperlich an der Schule angegriffen worden. Hochgerechnet seien damit mehr als 45 000 Lehrkräfte (sechs Prozent) an allgemeinbildenden Schulen aller Formen in Deutschland bereits Opfer von tätlicher Gewalt geworden, teilte der VBE mit. Grundlage ist eine repräsentative Forsa-Umfrage unter insgesamt fast 2000 Lehrerinnen und Lehrern bundesweit.

Auch psychische Gewalt wie Bedrohungen, Beleidigungen, Beschimpfungen oder Mobbing hat fast ein Viertel (23 Prozent) der Befragten bereits erlitten. Zu den körperlichen Angriffen gehörten etwa Fausthiebe, Tritte, An-den-Haaren-Ziehen oder das Bewerfen mit Gegenständen. Zwei Prozent der Befragten waren schon einmal Ziel von Mobbing im Internet. Gewalt - psychische wie physische - gegen Lehrkräfte sei kein Einzelfall, sagte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann.

"Wenn zwei Drittel der befragten Lehrkräfte beim Thema Gewalt gegen Lehrkräfte mehr Engagement und Schutz von ihrem Dienstherren erwarten, ist das ein Alarmsignal an die Politik!", kommentierte Beckmann die Umfrage weiter. Gewalt gegen Lehrkräfte werde häufig als jobimmanent abgetan und kleingeredet: "Es ist skandalös, so zu tun, als sei es Bestandteil des Berufes, sich beleidigen, belästigen und körperlich angreifen zu lassen", sagte Beckmann.

So gab weniger als die Hälfte der Befragten an, an ihrer Schule gebe es einen festgelegten, für alle bekannten Ablauf, wie bei Gewalttaten gegen Lehrkräfte vorzugehen sei. Heißt: Viele Schulen sind auf den Fall, dass Lehrkräfte angegangen werden, nicht oder nur schlecht vorbereitet.

Damit es erst gar nicht zu Konfrontationen kommt, sieht der VBE verschiedene Möglichkeiten zur Prävention. Neben Gesprächen der Lehrkräfte zum Thema mit Schülern könnten zum Beispiel auch Kooperationen mit der Polizei sowie die Formulierung eines Schulkodex helfen. Auch wünscht sich der Verband, in angemessen großen Unterrichtsräumen arbeiten zu können, um das Klima in den Klassen entspannter gestalten zu können. Allerdings würden diese Bedingungen von der Politik verweigert, sagte Beckmann. "Es besteht dringender Handlungsbedarf!"

© SZ.de/dpa/mkoh/sks

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite