SZ-Fragebogen"Zur Strafe vor der Tür"

Der blinde Galerist Johann König ist seinen Lehrern dankbar, trotz mancher Schelte, die er auszuhalten hatte: Dass man mit einer Sehbehinderung Abitur machen kann, war lange undenkbar. In der Reihe "Alte Schule" erinnern sich Prominente an die Schulzeit.

Johann König

Erste Reihe oder letzte Bank?

Leider meistens zur Strafe vor der Tür.

Influencer oder Follower?

Stellvertretender Klassensprecher - was das kleinste mögliche Amt war, das man bekleiden konnte.

Mein Hobby in der Pause?

Auf dem Schulhof auf der Skulptur von Bettina von Arnim zu sitzen.

Meine größte Stunde?

Das war immer die Chorstunde, ein freiwilliges Fach, das ich mit Freude belegt hab und in dem ich aufging. Und das einzige Fach, in dem ich jemals eine Eins bekommen habe.

Das würde ich gern vergessen:

Das Gefühl, als ich meine Klassenkameraden nach meinem Unfall wiedertraf und gemerkt habe, dass man da nicht mehr zusammenkommt.

Ein Denkmal gebührt ...

... Carl Strehle, dem Gründer der Blindenstudienanstalt in Marburg, der sich dafür einsetzte, dass man auch Sehbehinderten und Blinden so viel Bildung vermitteln kann, dass sie das Abitur machen können.

Lernen ist ...

... wenn man erst im Berufsalltag merkt, was man verpasst hat, als man im Rechnungswesenunterricht nicht aufgepasst hat.

Noten sind ...

... bei mir zumindest in der Regel versetzungsgefährdend gewesen.

Schule müsste ...

... auf die einzelnen Bedürfnisse der Kinder eingehen können, vor dem Hintergrund von Migration, Behinderung oder sonstiger Besonderheiten. Deshalb bräuchte sie eine bessere finanzielle Ausstattung.

Entschuldigen muss ich mich bei ...

... meinen Internatsmitbewohnern dafür, dass ich ihnen immer das Essen weggegessen habe.

Entschuldigen muss sich bei mir ...

... die Verkäuferin von dem Spielzeughandel, die mir die Knallkorken verkauft hat, die ab 18 gewesen wären, obwohl ich erst elf war.

Zur Schule hat jeder was zu sagen. Lesen Sie als nächstes, womit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter als Schüler versuchte, zum Influencer zu werden.

Bild: Lukas Gansterer 27. November 2019, 17:392019-11-27 17:39:49 © SZ.de/dd/berk