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Schule:"Hauptgrund für Mobbing ist Langeweile in der Schule"

Ein Junge sitzt alleine im Klassenzimmer Berlin Deutschland 31 05 2011 MODEL RELEASE vorhand

Viele Schüler in Deutschland müssen leider Erfahrung mit Mobbing machen.

(Foto: imago/photothek)

Expertin Manuela Richter-Werling erklärt, wie Eltern und Lehrkräfte betroffene Kinder unterstützen können - und was keinesfalls hilft.

In der aktuellen Pisa-Studie gab fast jeder sechste der befragten Schüler an, regelmäßig Opfer von Ausgrenzungen und Beleidigungen zu werden. Nun hat sich ein elfjähriges Mädchen in Berlin das Leben genommen, eine mögliche Ursache soll Mobbing in der Schule sein.

Manuela Richter-Werling ist Mitgründerin von Irrsinnig Menschlich e. V. Der Verein hat sich als Ziel gesetzt, über seelische Gesundheit, Krisen und Erkrankungen aufzuklären und Vorurteile gegenüber Menschen mit seelischen Erkrankungen zu verringern. Richter-Werling organisiert unter anderem Aktionstage und leistet Aufklärungsarbeit an Schulen und für Lehrkräfte.

SZ: Frau Richter-Werling, wie sollten Eltern reagieren, wenn sie den Eindruck haben, ihr Kind ist in der Schule unglücklich und hat Schwierigkeiten mit Mitschülern?

Manuela Richter-Werling: Ich würde damit anfangen, was sie keinesfalls tun sollten: dem Kind zu sagen, das werde schon wieder, es solle sich nicht so haben und sich mal zusammenreißen. Damit ist einem ausgegrenzten und womöglich von Mobbing betroffenen Kind überhaupt nicht geholfen.

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Keine Durchhalteparolen.

Genau. Stattdessen sollten Eltern zugewandt sein und interessiert Fragen stellen: "Ich habe das Gefühl, dass du in letzter Zeit nicht gerne zur Schule gehst. Woran könnte das liegen?" Für viele Kinder ist das eine große Entlastung und sie erzählen dann auch, was sie bedrückt. Manche ziehen sich natürlich zurück. Auch dann sollten Eltern dranbleiben und jederzeit signalisieren: Wir sind da und unterstützen dich! Denn ein von Mobbing betroffenes Kind wird sein Problem nicht alleine lösen können.

Können Klassenkameraden helfen?

Mobbing ist immer ein Gruppengeschehen, es kann jeden Menschen zu jeder Zeit treffen. Die Täter brauchen ein Publikum, auch deshalb kommen solche Fälle an Schulen oft lange nicht zur Sprache: Weil viele Kinder froh sind, dass es nicht sie, sondern jemand anderen getroffen hat. Für vom Mobbing Betroffene sind Schulkameraden daher oft keine große Hilfe. Das macht es für die Lehrkräfte oft schwer, einen Mobbingfall zu erkennen.

Auf welche Signale sollten Lehrende achten?

Wenn ein Kind immer in der Nähe der Lehrkräfte bleibt und zum Beispiel nicht auf den Pausenhof möchte, sondern die Pause vor dem Lehrerzimmer verbringt. Auch wenn ein Kind häufig zu spät kommt, kann das ein Signal sein, dass etwas nicht stimmt: Vielleicht wird es bereits auf dem Schulweg bedroht. Aus Sicht des Kindes wäre das Zuspätkommen dann eine sehr kluge Maßnahme, um sich zu schützen.

Was empfehlen Sie Lehrkräften, wenn sie Probleme in ihrer Klasse vermuten?

Wie Eltern auch müssen sie eines unbedingt wissen: Nur Erwachsene können Mobbingprozesse zwischen Kindern unterbrechen. Wer Tätern sagt, sie sollen sich mal zurückhalten, und Opfern, sie sollten sich zusammenreißen, wird überhaupt nichts erreichen. Mobbing ist eben ein Gruppengeschehen, dabei übernimmt jedes Kind in einer Klasse eine Rolle: Täter, Stellvertreter, Mitläufer, Zuschauer, Betroffene. Für Lehrkräfte kommt es darauf an, Zeit in ein Klassenklima zu investieren, in dem sich jeder wohlfühlt und gut lernen kann. Das ist die beste Mobbingprävention.