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Schule:Schulen werden instrumentalisiert

Das Problem: Lehrinhalte und pädagogische Hilfsmittel wie digitale Endgeräte werden an den Zielen der Lobbyisten ausgerichtet. In den USA hat Google zum Beispiel mit günstigen Laptops und Apps bereits den Schulmarkt erobert. Es ist seit dem Fünf-Milliarden-Angebotspaket von Bildungsministerin Wanka für Schulen zu beobachten, dass lobbyistische Aktivitäten auch in Deutschland deutlich zunehmen. Dies beginnt bei systematischer Produktplatzierung und geht bis zur direkten Einflussnahme über Unterrichtsmaterialen.

Nun wäre es Aufgabe des Staates, Wirtschaftsinteressen zu überwachen und die Schulen vor Einflussnahme zu schützen. Die Politik gibt ihren gesetzlichen Auftrag jedoch erosionsartig auf. Es wird vergessen, dass in den Klassenzimmern kindliche Versuchsobjekte sitzen, ungeschützt, naiv und neugierig auf das, was ihnen manch digital betäubte Lehrerinnen und Lehrer erzählen. Sie tun Schülerinnen und Schülern nichts Gutes, wenn sie sie so früh wie möglich mit digitalen Medien konfrontieren. Ganz im Gegenteil.

Der pädagogische Gestaltungswille entwickelt sich gar bei so manchem zu einem Gestaltungszwang, dessen Bezüge nicht in der Wissenschaft liegen. Auch hier ist das Fünf-Milliarden-Wanka-Paket heranzuziehen. Deutschland soll digital transformiert werden, doch die Ziele und Effekte des Einsatzes von digitalen Medien und Hardware in der Bildung werden kaum benannt.

Und ganz nebenbei herrscht auf Politikseite Freude darüber, dass bei leeren Bildungskassen mächtige Wirtschaftsunternehmen wie Google, Apple und Samsung Geräte, Software, Bildungsmedien, etc. sponsern. Neben der Hard- und Software werden Unterrichtsmaterialien erstellt, Schulwettbewerbe veranstaltet und Lehrer fortgebildet. Spezialagenturen bieten Werbung im Schulumfeld als Dienstleistung an.

Nicht derjenige, der noch mit einem alten Nokia statt einem neuen iPhone telefoniert, ist von vorgestern. Sondern derjenige, der die Augen vor dieser Entwicklung verschließt und damit Kinder zum Spielball von Wirtschaftsinteressen werden lässt. Was kann der digital aufgeklärte Elternteil dagegen tun? Das beantwortete schon der Satz in der Sesamstraßen-Titelmusik: "Wer nicht fragt, bleibt dumm!" Denn Antworten auf die Frage nach dem Sinn des digitalen Einsatzes im Hinblick auf Lerneffekte bleiben Konzerne, Lobbyisten und oft auch Lehrkräfte schuldig.

Der Autor ist Verfasser der Bücher "Die Lüge der digitalen Bildung" und "Im digitalen Hamsterrad" und Professor für Betriebswirtschaftslehre und Medienmanagement sowie für Digitale Medien und angewandtes Medienmanagement. In seinem Blog schreibt er regelmäßig über digitale Bildung.

© SZ.de/mkoh/sks
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