Schule:Wie lässt sich die Digitalisierung im Studium integrieren

Denn eigentlich müssten alle angehenden Lehrkräfte viel mehr können, findet der Medienpädagoge:

  • Sie müssen begreifen, dass ihre künftigen Schüler in einer durch und durch digitalisierten Welt leben und ungefähr wissen, welche Medienerfahrungen sie außerhalb der Schulzeit machen. "Eigentlich darf es keinen Lehrer geben, der noch nie von Instagram, Twitter oder Snapchat gehört hat und nicht grob weiß, wie diese Netzwerke funktionieren", meint Schultz-Pernice.
  • Je nach Schulart und Umfeld kann Cybermobbing ein Thema sein, ebenso wie die Wirkung potenziell jugendgefährdender Dinge im Netz wie Pornografie. Hierzu müsse jede Lehrkraft in der Lage sein "im Gespräch mit Eltern Stellung nehmen zu können", sagt der Medienpädagoge.
  • Dazu kommt die Mediendidaktik. Lehrkräfte müssen einschätzen können, wie digitale Medien lernförderlich im Unterricht eingesetzt werden können. Nur gelegentlich ein Youtube-Video abzuspielen, macht die Schule längst nicht digital.
  • Und natürlich: Lehrkräfte müssen selbst Erfahrung mit Medien und Endgeräten haben, Probleme lösen können oder zumindest in der Lage sein, selbige gegenüber einem Fachmann zu erklären. Schultz-Pernice fasst es so zusammen: "Wenn Lehrkräfte nicht in der Lage sind, Medien im Unterricht angstfrei einzusetzen, hilft auch die beste Ausstattung nichts."

Eine Schwierigkeit allerdings gibt es: Lehramtstudierende drehen jetzt schon eher selten Däumchen, die Stundentafeln sind voll. Wo also die zusätzlich notwendigen Digital-Seminare unterbringen? Darauf weiß auch Florian Schultz-Pernice ad hoc keine Antwort. Nur soviel: "Das darf nicht auf Kosten der fachlichen Ausbildung gehen."

Die Lösung könnte sein, den spezifischen Einsatz digitaler Medien - der Deutschlehrer hat dafür natürlich andere Verwendung als die Mathelehrerin - direkt bei den Fachdidaktik-Veranstaltungen der einzelnen Fächer zu integrieren. Bis es allerdings flächendeckend so weit ist, dürfte noch etwas Zeit vergehen. Zu viel Zeit vor dem Hintergrund, dass schon jetzt die technische Ausstattung vieler Schulen wenig genutzt wird, weil die Lehrkräfte entweder nicht im Umgang geschult werden oder sich schlicht nicht an die Technik herantrauen.

Für Leoni Sailer ist das mittlerweile kein Thema mehr. Sie arbeitet gern am Active Board, das die Kreidetafel an ihrer Schule längst ersetzt hat. Dort kann sie gleichzeitig ein Tafelbild erstellen, eine Arbeit einblenden, die ein Schüler auf seinem Tablet erstellt hat und nebendran bei Bedarf noch ein Video zeigen. "Ich unterrichte auch nicht aussschließlich digital", sagt Sailer, "aber durch die Abwechslung kann ich die Schüler deutlich besser und länger bei der Stange halten."

Oder wie es Lehrerverbandschef Meidinger sagen würde: "Eine pädagogisch schlecht konzipierte Unterrichtsstunde wird nicht besser durch den Einsatz neuer Medien. Umgekehrt gilt aber, dass ein guter Lehrer durch die Möglichkeiten der digitalen Technik noch besser werden kann." Nun müssten diese den Lehrkräften bloß noch an der Uni beigebracht werden.

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