Schule Was Lehrer aus der Unterrichtspraxis erzählen

Aber wie sieht es in der Praxis aus? Die Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte, Anette Völker-Rasor, hat über den Politikunterricht an den Schulen kürzlich im SZ-Interview gesagt: "Ich finde es wichtig, dass wir als Lehrer politisch sichtbar werden und klar wird, wofür wir stehen." Es sei jedoch nicht ihre Aufgabe, Schüler von ihrer politischen Meinung zu überzeugen, "sondern sie ein Stück beim Älterwerden zu begleiten, sodass wir es später mit Menschen zu tun haben, die in ihrer Gemeinschaft aktiv sind und nicht nur auf ihr Smartphone schauen."

Zeugnisse

"Das Verhältnis zur Lehrkraft war störungsfrei"

Ähnlich sieht es ein Sozialkundelehrer eines niederbayerischen Gymnasiums: "Natürlich habe ich auch eine politische Meinung und natürlich kann und will ich die in Diskussionen mit meinem Schülern nicht komplett ausblenden. Bei aller persönlichen Überzeugung darf im Unterricht aber niemand den Eindruck bekommen, ich wäre im wahrsten Sinne des Wortes parteiisch." Wenn er seine Meinung in einen Kontext einbette und zur Diskussion stelle, sehe er kein Problem, selbst Stellung zu beziehen. "Ich will ja, dass die Schüler für ihre Ansicht streiten und dabei offen für andere Perspektiven bleiben. Und das probiere ich auch selbst."

Darf der Deutschlehrer Ihres Sohnes also seine Zustimmung für die Flüchtlingspolitik der AfD im Unterricht artikulieren? Ja und nein. Ja, wenn er es im Rahmen einer Diskussion tut und seine Aussagen nicht undifferenziert im Raum stehen lässt. Und nein, wenn er seine Meinung als einzige Wahrheit darstellt.