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Corona und die Schulen:Die Länder machen ernst - und ignorieren die Empfehlungen

Unterricht am Gymnasium

Immer griffbereit im Unterricht: der Mundschutz.

(Foto: dpa)

Der Unterricht soll so lange wie möglich im Klassenzimmer stattfinden: Die Politik hält Wort - und setzt sich über den Rat des Robert-Koch-Instituts hinweg. Ein zumindest riskanter Kurs.

Kommentar von Paul Munzinger

So lange es irgend geht, bleiben die Schulen offen - das ist seit Ende der Sommerferien die Haltung der Bundesländer. Jetzt, da die Infektionszahlen täglich Höchstwerte erreichen, zeigt sich: Es ist ihnen wirklich ernst damit. Denn ja, auch in den Schulen werden Maßnahmen verschärft. Baden-Württemberg hat eine Maskenpflicht von der 5. Klasse an beschlossen, Hamburg in der Oberstufe, in Bayern gilt sie künftig jenseits einer 7-Tage-Inzidenz von 50 sogar an den Grundschulen. Weitere Länder werden folgen. Doch den Unterricht im Klassenzimmer - das also, was Schule ausmacht - will bislang niemand aufgeben.

Das ist mutig und konsequent. Aber es ist auch riskant. Denn so richtig es ist, dass die Landesregierungen das Recht auf Bildung hochhalten: Sie setzen sich damit über das Robert-Koch-Institut hinweg. Ab Inzidenz 50 empfiehlt das RKI, nicht nur die Maskenpflicht auszuweiten, sondern auch Klassen zu verkleinern. Für einige Schülerinnen und Schüler würde das wenigstens zeitweise bedeuten: zurück zum Fernunterricht.

Die Länder wollen das - zumindest flächendeckend - verhindern, und das ist legitim. Das RKI macht Empfehlungen, die Politik macht die Politik. Und sie steht dabei auf einem Standpunkt, den ja auch die Wissenschaft stützt: dass Schulen nicht Treiber der Pandemie sind. Doch die Länder drohen mit ihrem Kurs viele der Menschen zu überfordern, die sie unbedingt brauchen: die Lehrkräfte und die Eltern. Deren Ängste und Sorgen sind schon deutlich spürbar. Und mit den Infektionszahlen werden sie weiter wachsen.

© SZ vom 17.10.2020/berk
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