Schule Zahl der Privatschulen hat deutlich zugenommen

Da Berlin recht verlässlich registriert, welche Eltern von den Kosten für schulische Lernmittel befreit werden, und diese Daten ein Indikator für Einkommensarmut sind, konnten die Wissenschaftler hier genauer hinschauen. Mit dem Ergebnis, dass der Anteil von Schülern, deren Bücher vom Staat bezahlt werden, an öffentlichen Schulen ja nach Schulart drei- bis fünfmal höher ist als an Privatschulen. Ein klarer Verstoß gegen das Verfassungsgebot, sagen die Autoren und fordern von den übrigen Landesregierungen, ebenfalls eine Datenbasis für Kontrollen bereitzustellen.

Insgesamt hat die Zahl der Privatschulen in Deutschland seit 1992 um mehr als 80 Prozent zugenommen, jedes elfte Kind besucht heute eine solche Schule, ob konfessionell, reformpädagogisch oder international ausgerichtet. Angesichts dieser Entwicklung hätten die Bundesländer längst mehr unternehmen müssen, lässt die Studie durchblicken. "Weder für die Genehmigungsbehörden, noch für die Schulträger selbst ist in den meisten Ländern klar erkennbar, welche Schulgelder und sonstigen Beiträge von Eltern verlangt werden dürfen", sagt Michael Wrase.

Klare Regelung in Rheinland-Pfalz

"Eine kleinteilige Festlegung gibt es tatsächlich nicht," bestätigt Petra Witt, Präsidentin des Verbandes Deutscher Privatschulverbände (VDP), allgemein habe sich das Schulgeld aber "auf einen Durchschnitt von ungefähr 150 Euro im Monat eingespielt."

Unmissverständlich hat es immerhin Rheinland-Pfalz geregelt: Dort erhalten Privatschulen nur dann staatliche Förderung, wenn sie keinerlei Entgelt erheben. Formal anders, aber im Ergebnis ähnlich, hat es Nordrhein-Westfalen gelöst.

Zwei Beispiele, die den Studienautoren gefallen, zumal die Landeshaushalte dann nicht auf Kosten der Eltern sparen. "Denn die Ministerien profitieren ja vom Schulgeld! Und einige, vor allem die in ostdeutschen Bundesländern, haben die Zuschüsse für Privatschulen in den letzten Jahren deutlich beschnitten," erklärt Marcel Helbig. Der falsche Weg, das sieht auch der VDP so: "Wir plädieren für einen flächendeckend höheren Finanzausgleich von 80 bis 85 Prozent der Kosten, die Schüler an staatlichen Schulen verursachen," sagt Verbandspräsidentin Witt.