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Schule:Für Baden-Württembergs Schüler gehört sexuelle Vielfalt künftig zum Unterricht

Demonstrationen für und gegen den grün-roten Bildungsplan

Gegner des grün-roten Bildungsplans demonstrierten im Juni 2015 in Stuttgart.

(Foto: dpa)
  • Der baden-württembergische Kultusminister Andreas Stoch (SPD) hat den umstrittenen Bildungsplan auf den Weg gebracht.
  • Konservative Verbände ebenso wie die CDU hatten sich speziell an einer Leitperspektive zur "Akzeptanz sexueller Vielfalt" gestört.
  • Nun kritisiert die CDU den Zeitpunkt von Stochs Unterschrift unter die neuen Bildungspläne.

Lange wurde gestritten, nun hat Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD) die viel diskutierten Bildungspläne für die Schulen im Südwesten endgültig auf den Weg gebracht. Die Endfassungen der Pläne für die verschiedenen Schularten sollen Anfang kommender Woche online veröffentlicht werden. Umstritten sind sie hauptsächlich einer Leitperspektive wegen. Laut ihr soll sexuelle Vielfalt eine wichtige Rolle spielen - damit wollen die Grünen Diskriminierung entgegenwirken. Gegner sehen darin eine "Gender-Ideologie" und Sexualisierung der Kinder.

Die CDU, momentan noch in der Opposition, ist über den Zeitpunkt von Kultusminister Stochs Unterschrift unter die Bildungspläne ebenso wenig begeistert wie über deren Inhalt. "Uns wäre es lieber gewesen, die Rechtskraft bis nach den Koalitionsverhandlungen auszusetzen", wird CDU-Bildungsexperte Georg Wacker zitiert. Wackers CDU verhandelt derzeit mit den Grünen über die Bildung einer neuen Landesregierung, nachdem Grün-Rot bei den Landtagswahlen die Mehrheit im Parlament eingebüßt hatte. Kultusminister Stoch wird sein Amt folglich mit großer Wahrscheinlichkeit zeitnah abgeben müssen.

Das Ministerium wies Wackers Kritik zurück. Die Bildungspläne müssten demnach jetzt in Kraft gesetzt werden, um Schulen und Lehrer genügend Vorbereitungszeit für die Einführung nach den Sommerferien zu verschaffen.

Während des mehrjährigen Entwicklungsprozesses der Bildungspläne hatte es immer wieder heftige Kritik gegeben. Unter dem Motto "Demo für alle" hatte das konservative Aktionsbündnis "Für Ehe und Familie - Stoppt Gender-Ideologie und Sexualisierung unserer Kinder!" zu mehreren Kundgebungen in Stuttgart aufgerufen. Hartmut Steeb, Generalsekretär der Evangelischen Allianz Deutschland, nannte die Pläne der Landesregierung eine "gottlose Revolution von oben". Mehrfach kam es zu Zusammenstößen mit Gegendemonstranten. CDU-Politiker Wacker sieht nach wie vor Änderungsbedarf bei den neuen Leitperspektiven, die auch die Berücksichtigung sexueller Minderheiten im Unterricht gewährleisten sollen.

Was in der Leitperspektive steht

In der vorläufigen Variante heißt es dort: "Kernanliegen der Leitperspektive ist es, Respekt sowie die gegenseitige Achtung und Wertschätzung von Verschiedenheit zu fördern." Es solle Schülern ermöglicht werden, "die eigene Identität zu finden und sich frei und ohne Angst vor Diskriminierung zu artikulieren". Durch Schärfung eines Bewusstseins für die eigene Identität sollen die jungen Menschen lernen, "dass Vielfalt gesellschaftliche Realität ist und die Identität anderer keine Bedrohung der eigenen Identität bedeutet".

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