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Schule:Philologenverband fordert leistungsorientierte Bildungspolitik

Der Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, warnt vor einem "massiven Niveauverlust" an den Schulen durch eine nicht leistungsorientierte Bildungspolitik. Für ihn sei der offenkundige Absturz Baden-Württembergs im Länder-Ranking daher "keine Überraschung". "Im Gegenteil, ich hätte darauf wetten können", sagte Meidinger. "Jeder, der die schul- und bildungspolitischen Entwicklungen in Baden-Württemberg in den letzten fünf Jahren mitverfolgte, musste mit einem massiven Niveauverlust rechnen." In diesem Zeitraum regierte in Stuttgart eine grün-rote Regierung, seit Mai bilden Grüne und CDU eine Koalition.

Der Chef der Gymnasiallehrer-Gewerkschaft nennt aus seiner Sicht mehrere Ursachen: "Die massive Umgestaltung der Schulstruktur (in Baden-Württemberg) mit der Umwandlung von Haupt- und Realschulen beziehungsweise der Neugründung von 270 Gemeinschaftsschulen hat wertvolle Ressourcen für den Erhalt von Bildungsqualität gebunden oder von den anderen Schularten abgezogen."

Zudem habe "die massive Sparpolitik im Bildungsbereich insbesondere an den herkömmlichen Schularten, was Lehrerstellen, Klassengrößen, pädagogische Rahmenbedingungen anbetrifft, deutliche Spuren hinterlassen". Vor allem führe "die Abschaffung jeglicher Orientierung an Leistungskriterien beim Übergang an weiterführenden Schulen zu einem Anstieg von Sitzenbleibern, Schulwechslern, zu einer Zunahme der Heterogenität", kritisierte Meidinger.

Bis 2012 hatten Viertklässler in Baden-Württemberg eine verbindliche Empfehlung von ihren Lehrkräften erhalten, wenn der Übergang an eine weiterführende Schule bevorstand. Grün-Rot schaffte diese Praxis ab, seitdem haben die Eltern das letzte Wort bei der Schulwahl für ihr Kind. Kritiker, wie auch Meidinger, monieren, dass so auch ungeeignete Schüler an die Gymnasien kommen - einfach, weil ihre Eltern das unbedingt wollen.

Über die Studie

Wer nahm an der Erhebung teil?

Am IQB-Bildungstrend 2015 nahmen etwa 37 000 Neuntklässler aus mehr als 1700 Schulen der 16 Bundesländer teil. Die teilnehmenden Schulen wurden nach dem Zufallsprinzip ermittelt, ebenso die geprüfte Klasse jeder einzelnen Schule, falls es mehrere neunte Klassen dort gab. Die Daten wurden zwischen April und Juni 2015 erhoben.

Was wurde getestet?

Der Schwerpunkt lag auf den sprachlichen Fähigkeiten der Schüler und hier auf den Fächern Deutsch und Englisch. In einigen Bundesländern wurden auch Französischkenntnisse überprüft.

In Deutsch mussten die Schüler Aufgaben aus den von der Kultusministerkonferenz (KMK) definierten Kompetenzbereichen "Lesen - mit Texten und Medien umgehen", "Sprechen und Zuhören" sowie "Schreiben" bearbeiten. Die Studie konzentrierte sich dabei auf die Bereiche "Lesen", "Zuhören" und "Orthografie". In den Fächern Englisch und Französisch wurden jeweils Aufgaben zum "Leseverstehen" und zum "Hörverstehen" vorgelegt.

Welche Aufgaben mussten bearbeitet werden?

© SZ.de/dpa/mkoh/olkl

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