Schularchitektur Wo Kinder sich wohlfühlen sollen

Der Nürnberger Michael-Ende-Schule liegt ein ausgefeiltes pädagogisches Konzept zugrunde.

(Foto: Wolfgang Schmitt/Stadt Nürnberg)

Weil sich die Pädagogik entwickelt hat und Platz in Städten rar ist, müssen sich Schulneubauten anpassen: mit mehr Glas, mehr Gruppenräumen - und Fußballplätzen auf dem Dach.

Von Christiane Bertelsmann

Lange Gänge, flackernde Neonröhren an der Decke und dieser ganz spezielle Geruch nach Schulputzmittel: Daran erinnern sich wohl fast alle, die vor der Jahrtausendwende Schüler waren. Nach dem eigenen Zuhause ist die Schule das erste Gebäude, dessen Architektur sich fest ins Gedächtnis eingräbt. "Schulbauten prägen uns", sagt Natascha Meuser, Architektin und Professorin an der Hochschule Anhalt in Dessau. "Kinder und Jugendliche verbringen hier einen großen Teil ihres Tages. In der Schule erleben sie sich selbst zum ersten Mal außerhalb des Elternhauses als aktives Mitglied der Gesellschaft. Da ist die Organisation und Gestaltung des Gehäuses, in dem diese Persönlichkeitsbildung stattfindet, besonders wichtig. Schulen machen das Zusammenspiel zwischen Individuum und Gesellschaft architektonisch erfahrbar."

Da die Lernbedingungen heute nur noch wenig mit denen vor 30 oder noch mehr Jahren zu tun haben, muss sich die Schularchitektur den veränderten Gegebenheiten anpassen. Zumindest sollte sie das. So wird kaum noch frontal unterrichtet, stattdessen gibt es Gruppenarbeit - und die Forderung nach dem Einzug digitaler Medien in den Schulalltag. "Schulbauten sind permanent dem Wandel der Lehrmethoden unterworfen", betont Meuser. "Schularchitektur ist dann besonders gut, wenn sie viele Generationen an Schülern überdauern kann."

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In der Grundschule in Schulzendorf bei Berlin, einer wachsenden Gemeinde am südlichen Stadtrand, hat man einen bestehenden Schulbau erweitert, modernisiert und von außen optisch zu einem Ganzen zusammengefasst. Die Fassade des Erweiterungsbaus, ein zu DDR-Zeiten gebauter H-förmiger Bau des Typs "Magdeburg", umschließt eine aus Weiden geflochtene Hülle. Im Inneren des Gebäudes dominieren kräftige Farben; jede Etage hat ein eigenes Farbkonzept - und jedes Klassenzimmer eine individuelle Farbe. Über Letztere durften die Lehrer selbst entscheiden. "Wir hätten lieber etwas gedecktere Farben in den Klassenräumen gehabt, die öffentlichen Räume sind schon sehr aufgeregt", räumt Architekt Christian Roth ein, der mit dem Erweiterungsbau betraut war. Die vor ein paar Jahren sanierte Schule sieht mit ihrer dominanten Außenhaut und den verglasten Atrien im Innern immer noch zeitgemäß aus, doch der Platz wird schon wieder knapp, da immer mehr Familien an den Stadtrand ziehen.

Derzeit werden viele Schulen neu gebaut, und das ist dringend nötig. Im Mai 2018 ging die Kultusministerkonferenz von etwa 300 000 zusätzlichen Schülern im Jahr 2030 im Vergleich zu 2016 aus. In den nächsten zehn Jahren braucht beispielsweise Berlin mehr als 60 Schulneubauten. In der Hauptstadt wird man der Masse an Neubauten wegen vor allem im Grundschulbereich aus Zeit- und Kostengründen mit bestimmten Prototypen arbeiten, die das Erscheinungsbild zahlreicher Grundschulen bestimmen.

Auch andere wachsende Regionen planen und bauen Schulen. Nürnberg zum Beispiel. Günter Ebert, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Geschäftsbereich Schule und Sport der Stadt Nürnberg und dort mit der pädagogischen Schulbauplanung befasst, nennt neben dem Bevölkerungszuwachs weitere Gründe für die Planungen: Gymnasien gehen wieder von der G 8-Struktur zurück zum G 9, damit steigt der Raumbedarf. Außerdem bieten die meisten Schulen Ganztagsbetreuung an, im Grundschulalter wird darauf zukünftig ein Rechtsanspruch bestehen. Dafür braucht man natürlich geeignete Aufenthaltsräume und Schulmensen für die Mittagsverpflegung.