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Schulanfang:Setzen, Sechs!

Alles "Missgeburten" und "Opfer"? Die "Fack ju Göhte"-Darsteller Elyas M'Barek und Jella Haase bei der Bildungsarbeit.

(Foto: Constantin Film)

Fack ju Bildungssystem: Über nichts klagen deutsche Eltern so gerne wie über den Zustand der Schulen. Dabei zeigt ein Blick in andere Länder: Das ist selbstgerechter Unfug.

Von Johan Schloemann

Und dann geht es bald wieder los, das Meckern. Klingelingeling, die Schule fängt an, in Süddeutschland jetzt nach diesem Wochenende, im Rest des Landes hat sie schon vor ein, zwei Wochen begonnen. Erst ist noch dieses Kribbeln da, am Ende der langen Sommerferien, diese Mischung aus Euphorie und Bammel. Ob es nun aufgeregte Erstklässler sind oder abgebrühte Routiniers, alle sind erst mal frisch ausgestattet, mit Heften, Büchern, Klamotten, aber auch mit Erfahrungen, mit dem Gefühl von Neuanfang, vom Ernst des Lebens und einer Portion guten Willens. Guten Mooorgen!

Frau Schmidt ist doof, der Kevin stinkt

Dann aber dauert es nicht lange, bis die Klagelieder angestimmt werden. Frau Schmidt ist so doof, erst hat sie gesagt, wir brauchen rote Schutzumschläge, und jetzt sollen es doch blaue sein. - Ich mag nicht neben diesem Kevin sitzen, der stinkt. - Alterstypische Quengelei wird nach Hause getragen, und alsbald kehrt sie in Form von elterntypischer Quengelei wieder zur Schule zurück: Was denn, ich kann morgens nicht direkt vor dem Haupteingang der Schule parken? Das ist ja so was von schlecht organisiert. - Wieso antwortet die Lehrerin nicht sofort auf meine E-Mails? Also, in meinem Job wäre das ganz undenkbar. - Die Note für unsere Tochter ist wirklich total ungerecht, der Stoff wurde doch vorher gar nicht richtig erklärt, ich werde mich beim Direktor beschweren. - Prinzipiell unterstütze ich die disziplinarischen Regeln dieser Schule natürlich voll und ganz, aber jetzt im Falle meines Sohnes handelt es sich um ein großes Missverständnis . . .!

Schlimm, schlimmer, Schule: Wer dieses Klagelied anstimmt, erntet überall Beifall

Sodann lesen die Eltern noch ein paar Kommentare in den Zeitungen oder im Netz: Föderalismus, Kultusministerkonferenz, Reformchaos, Pisastudie, G 8, G 9, OECD - und fertig ist das Urteil, am liebsten für immer festgezurrt: Die Bildungspolitik in Deutschland ist eine einzige Katastrophe! So einen Satz kann man auf jede Einladung mitnehmen, und egal, mit wem man es zu tun hat, immer wird man Kopfnicken ernten.

Am besten macht man sich dann noch einen netten Familienabend mit den Kleinen und schaut sich zusammen den neuen "Fack ju Göhte 2" im Kino an. Es wäre ja wirklich zu schön, wenn man das einfach als Teenie-Trash-Popcorn-Komödie abhaken könnte. Aber so sind die Deutschen nicht.

Es müssen schon, wie einst in der "Feuerzangenbowle" mit Heinz Rühmann, immer auch noch ein bisschen Moral und eine Botschaft mit dabei sein. Folglich hat der neue Film, mitten im Proll-Klamauk auf einer desaströsen Klassenfahrt der Goethe-Gesamtschule in Thailand, eine rührselige Schlüsselszene: Zeki Müller (Elyas M'Barek), der frühere Kleinkriminelle, der sich seinen Lehrerjob erschlichen hat, fordert seine Truppe von Problemzöglingen (alles "Missgeburten" und "Opfer") auf, ihre Handys zu schnappen und sich damit der Liebe ihrer Problemeltern daheim zu versichern, vor den anderen Schülern. Alle werden weich, es fließen Tränen.

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