Schulanfang:"Die Schüler sollen nicht überfordert werden"

Nach Angaben des Kultusministeriums gibt es keine allgemeingültigen Regeln, welche Schulsachen zu besorgen sind. Das entscheiden die Schulen in Eigenverantwortung. "Die Schüler sollen nicht überfordert werden", sagt ein Sprecher. Kinder in der ersten Klasse könnten zum Beispiel noch nicht notieren, welche Hefte sie brauchten. Deshalb bekommen die Eltern eine komplette Auflistung und müssten dann nur einmal losziehen.

Wer heute Schulsachen kaufen will, braucht fast schon ein Lexikon, um all die Wörter, die sich auf den Listen befinden, zu entschlüsseln - und einiges an Geld. Nur Kinder von Hartz-IV- und Sozialhilfe-Empfängern sowie Asylbewerber bekommen einen Zuschuss von 100 Euro pro Schuljahr aus dem Bildungs- und Teilhabepaket - in München sind das 31 000. Alle anderen müssen Schulsachen selbst bezahlen - trotz Lehrmittelfreiheit.

11 400 Erstklässler

gibt es nach derzeitigem Stand im Schuljahr 2015/16, das an diesem Dienstag beginnt. Die Zahl der Mädchen und Buben an den 133 Münchner Grundschulen steigt stetig an. Vor zwei Jahren waren es noch knapp 10 500 Schulanfänger. Um den Bedarf zu decken, hat die Stadt ein Bauprogramm gestartet. Im September eröffnet allerdings nur eine neue Grundschule am Ilse-von-Twardowski-Platz.

Die meisten Eltern gehen heute aber gar nicht mehr selbst mit ihren Kindern einkaufen. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen sich Sechsjährige in Massen durch die engen Regale des Schreibwarenhändlers um die Ecke drückten und lange überlegten, ob nun der rote Heftumschlag in Plastik (unifarben) oder in Pappe (mit Muster) besser aussieht. Und ob man den lilafarbenen oder doch lieber den türkisen Fineliner will (die Farben sind mittlerweile von der Schule vorgegeben).

Einkaufsdienste sind stark nachgefragt

Eltern setzen heute zunehmend auf Einkaufsdienste, die fast alle Warenhäuser und Schreibwarenläden anbieten. Bei Galeria Kaufhof heißt das Angebot "Schullisten-Service", bei der Drogeriekette Müller schlicht "Müller-Service". Familien geben dort einfach die Listen in den Geschäften ab, ein paar Stunden später oder am Tag darauf können sie die von Fachleuten zusammengestellten Komplettpakete abholen.

"Es gibt eine hohe Nachfrage nach diesem Service-Angebot", sagt eine Sprecherin von Kaufhof. Zwischen 55 und 75 Euro bezahlen die Eltern für die Erstausstattung eines Erstklässlers - ohne Schulranzen, Schultüte und Sportbekleidung, versteht sich. Bei Müller gibt es das Gesamtpaket bereits von 30 bis 40 Euro an, sagt Helmut Glaser, Einkaufleitung der Abteilung "Non Food". Auch hier das gleiche Bild: Wegen der Vielzahl der Artikel und den komplizierten Angaben auf den Schullisten nutzen viele Eltern den Einkaufsservice.

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Grafik: SZ

Bei Kaut-Bullinger in der Rosenstraße gibt es ein ganz spezielles Angebot. Dort können Eltern gemeinsam mit Kind und einem Verkäufer die Schulsachen zusammensuchen. Die Fachleute beraten bei den richtigen Lineaturen von Heften, bei Buchumschlägen oder bei Spezialprodukten für Linkshänder. "Vor allem macht es den Kindern Freude, dass sie sich ihr Arbeitsmaterial selbst aussuchen können", sagt Geschäftsführerin Christin Lüdemann. Gerade bei Linealen, Radiergummis und Blöcken mit Motiven hätten die Kleinen ganz konkrete Vorstellungen. Die Freude beim Einkauf, da ist Lüdemann sicher, schaffe eine Begeisterung für die Schule.

Und die Eltern? Die können eigentlich nur auf die weiterführende Schule hoffen. Von der fünften Klasse an bekommen die Kinder in der Regel keine Materiallisten mehr, sondern sie sollen lernen, ihre Schulsachen selbst zu besorgen. Dann wird der Einkauf im September also entspannter - und ist nicht mehr ganz so streng mit Vorgaben belastet.

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