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Schulanfang:Die Materialschlacht

Schulranzen

Außer einem Ranzen und einer Schultüte brauchen Kinder am ersten Schultag noch sehr viel mehr. Das kostet nicht nur Geld - sondern auch Nerven.

(Foto: dpa)
  • In Bayern beginnt am Dienstag das neue Schuljahr, für die Erstklässler ist es der Beginn ihrer Schullaufbahn.
  • Was ein Erstklässler braucht, ist bis ins Detail festgelegt. Das ist nicht nur teuer, sondern auch kompliziert.
  • Den Einkauf erledigen mittlerweile oft Fachleute.

Von Melanie Staudinger

Ein bisschen gewundert hat sich Anna Reiter schon. Ganze vier Mal steht auf dem Zettel, den sie vor den Sommerferien bekommen hat, dass sie beim Kauf von Schulmaterialien für ihren angehenden Erstklässler auf sehr gute oder zumindest gute Qualität achten solle. Eigentlich ist das für die Mutter selbstverständlich. Wer will schon, dass der Sohn auf minderwertigem Papier rumschmiert oder in Schuhen Sport macht, die seine Gelenke schädigen? Dass es aber wichtig ist, von welcher Firma der Malkasten ist, war Anna Reiter bisher nicht bewusst.

Materiallisten werden zum Intelligenztest für Eltern

"Die Lehrerin erklärte mir, dass die Farben bei Markenware kräftiger seien und mein Sohn sich benachteiligt fühlen würde, wenn er mit einem billigen Kasten auskommen müsste", berichtet sie und schüttelt den Kopf. Ob ein Sechsjähriger das tatsächlich gemerkt hätte? Egal, Anna Reiter, die ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, hat zum teuren Produkt gegriffen. Schließlich lebt sie in einem kleinen Dorf, da soll keiner auf die Idee kommen, sie würde nicht alles für den schulischen Erfolg ihres Kindes tun.

In diesen Tagen ist Endspurt. Wenn am Dienstag die Schule beginnt, müssen die Eltern von Grundschülern alle Hefte, Ordner und Stifte besorgt haben. In den meisten Fällen haben sie die Materiallisten schon vor den Ferien bekommen, einige Schulen bieten die Verzeichnisse auch zum Herunterladen im Internet an. Zeit ist eigentlich genug, um alle Besorgungen zu erledigen. Die Detailschärfe der Listen aber überfordert Familien zunehmend. Sie werden quasi zum Intelligenztest für die Eltern - zur ersten Hürde auf dem Weg zum Abitur.

Ein normaler Block tut es nicht mehr

Früher, da hat man sich zwischen weißen Heften und welchen aus gräulichem Umweltpapier entschieden, letzteres war eher unbeliebt, weil die Spuren des Tintenkillers zu leicht zu sehen waren. Heute aber sollen Eltern auf "farbig hinterlegte Zeilen achten", der bunte Hintergrund "erleichtert den Kindern die Orientierung im Heft und in den Zeilen ungemein". Manche Schulen fordern eine weiße Wichtigmappe und dazu noch eine Jurismappe, die früher einfach Sammelmappe hieß. Ein normaler Block tut es auch nicht mehr, es muss ein Kieserblock sein, damit die Kinder oben in die dafür vorgesehenen Kästchen ihren Namen, das Datum und die Blattnummer eintragen können.

Auch der Kampf ums richtige Federmäppchen hat sich offenbar in den vergangenen Jahren noch verschärft. Die bei Schülern so beliebten Schlamperrollen, in die sie die Stifte einfach hineinwerfen können, bleiben verboten. Ebenfalls nicht erwünscht sind Mäppchen mit zwei Reißverschlüssen. Eltern sollen lieber auf das Standardmodell zurückgreifen. Und ganz wichtig: den kompletten Inhalt beschriften, damit er nicht vertauscht wird.

Zudem sollen die Kinder eine Kreidetafel haben ("vorne Lineatur für die erste Klasse, hinten Karos"), aber bitte ohne Schwämmchen, Lappen oder Döschen. Wer sich das Geld sparen will, kann auf Anraten der Schule in der Nachbarschaft herumfragen, schließlich brauchten die Schüler der zweiten Klasse ihre Tafeln nicht mehr. Gleiches gilt - er existiert tatsächlich noch - für den Lesekasten, der früher Setzkasten hieß.

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