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Schule:Wenn Lehrer wie Uber-Fahrer bewertet werden

Lehrer-Benotung im Internet laut Oberlandesgericht rechtens

Plattformen, auf denen Schüler ihre Lehrer bewerten, gibt es schon lange: Die Website Spickmich.de ging 2007 online, 2014 war sie wieder verschwunden.

(Foto: dpa)

Ein junger Österreicher bringt eine neue App auf den Markt, auf der Schüler ihre Lehrer beurteilen können. Kommentare sind nicht erlaubt, Widerstand gibt es trotzdem.

Der Österreicher Benjamin Hadrigan ist erst 17 Jahre alt, hat aber bereits zwei Dinge getan, die die meisten Menschen in ihrem ganzen Leben nicht tun werden: Er hat ein Buch geschrieben und eine App erschaffen. Beides trägt den gleichen, für manche womöglich gewöhnungsbedürftigen Namen "Lernsieg". Das Buch, erschienen im März, verspricht Schülern, mithilfe von sozialen Medien wie Instagram vom Schulversager zum "Lernsieger" zu werden, so wie es Hadrigan selbst gelungen sei.

Die App, am Freitag in Wien vorgestellt und im Netz freigeschaltet, dürfte dem 17-Jährigen nun noch etwas mehr Aufmerksamkeit einbringen: Schüler aus Österreich und Deutschland sollen hier ihre Lehrer bewerten - "so wie Uber-Fahrgäste ihren Fahrer oder Airbnb-Mieter ihre Wohnungen".

In Kategorien wie Unterricht, Fairness oder Durchsetzungsfähigkeit können die Schüler ihren Lehrern bis zu fünf Punkte geben. Die Schüler bleiben anonym, die Lehrer logischerweise nicht. Auch Schulen lassen sich bewerten, es soll ein landesweites Ranking geben. Das Bildungssystem werde dadurch "transparenter und fairer", glaubt Hadrigan, der "Berufsalltag der rund 750 000 deutschen Lehrer steht vor einer Veränderung", prophezeit seine Agentur selbstbewusst.

Ein Stern? Schlimmer wird es nicht

Nicht wenige Lehrer dürften das als Drohung verstehen, und daran dürften auch die Screenshots nichts ändern, auf denen imaginäre Beispiellehrer Traumnoten erhalten. Michael Schwägerl, Chef des Bayerischen Philologenverbands, sagte dem Straubinger Tagblatt, Lehrer und Schüler hätten "ein besonderes Vertrauensverhältnis, das man nicht mit dem zwischen Kunde und Anbieter vergleichen kann". Der österreichische Lehrergewerkschafter Paul Kimberger kündigte rechtlichen Widerstand gegen die App an.

Die Furcht, dass derartige Plattformen zum Lehrerpranger ausarten, speist sich auch aus der Geschichte der Webseite Spickmich.de, die 2007 ans Netz ging und zu wüsten Diskussionen führte. Viele Lehrer wehrten sich vor Gericht gegen diffamierende Bewertungen, am Ende vergeblich. Das Bundesverfassungsgericht lehnte 2010 eine Beschwerde gegen Spickmich ab, 2014 wurde das Portal trotzdem abgeschaltet. Kommentare aller Art, das ist eine Lehre aus der Vergangenheit, sind beim Nachfolger aus Österreich nicht möglich. Die schlimmste Beleidigung, die Lehrern droht, ist eine Bewertung mit einem Stern - "nicht genügend".

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