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Schüler aus Regenbogenfamilien:Anders, aber normal

Dass Lehrer nicht angemessen auf homophobe Äußerungen reagieren, ärgert vor allem die jüngeren Regenbogenkinder, die sich stärker als die älteren mit ihren Eltern identifizieren. Die Schulzeit ist für sie oft ein Spagat zwischen Abgrenzung und Loyalität den eigenen Eltern gegenüber.

Gut ist es für sie, wenn die Eltern mit ihnen einüben, wie sie in unangenehmen Situationen reagieren und etwa ein Gespräch beenden können. Für die 16 Jahre alte Janne dient ihre Mutter als Vorbild und Ratgeber. Von ihr habe sie passende Konter gelernt, die sie einsetzt, wenn ihr jemand blöd kommt, erzählte sie den Forschern: "Dann sag' ich immer nur irgendeinen Spruch, und dann ist es gut." Wenn sie wirklich Interesse haben, gibt sie ihren Klassenkameraden aber gerne Auskunft.

Auch Fragen zur Zeugung werden thematisiert, denn naturgemäß ist es für homosexuelle Paare nicht einfach, Nachwuchs zu bekommen. Anders als etwa in den USA ist es schwulen Männern in Deutschland verboten, mithilfe einer Leihmutter eine Familie zu gründen. Und lesbischen Frauen ist es nach einer Richtlinie der Bundesärztekammer nicht gestattet, Samenbanken in Anspruch zu nehmen. Außerdem dürfen nur Einzelpersonen ein Kind adoptieren, nicht aber homosexuelle Paare gemeinsam.

Schulalltag

Die nervigsten Lehrer-Typen

Obwohl es vielen LGBT-Eltern unangenehm ist, empfiehlt ihnen Diplomsoziologin Streib-Brzic, sich in der Schule vorzustellen und ihre Familiensituation zu besprechen: "Das bringt für die Kinder die Entlastung, dass sie nicht überlegen müssen, ob, wann und wie sie sich outen sollen." Für die in der Studie zitierte lesbische Mutter Tanja ist das eine "blöde Situation": "Kein Mensch geht los und sagt: Ich bin heterosexuell, ich möchte hier mein Kind anmelden. Wir aber müssen immer und überall unsere Hosen runterziehen."

Anders als ihre Kinder, denen die vielen Nachfragen oft auf die Nerven fallen, wundern sich die Eltern häufig darüber, wie wenig Interesse andere Erwachsene und Lehrer an ihrer Lebensform äußern. Sie bemängeln auch, dass alternative Familienmodelle im Unterricht kein Thema seien. Arno, Vater zweier Kinder, merkt an, dass Homosexuelle zehn Prozent der Bevölkerung stellen. "Ich fände es toll, wenn auch in den Schulheften mal von hundert Seiten zehn Seiten anders laufen." Nämlich einmal nicht nach dem Schema "Frau wird Hausfrau, kriegt Kinder, und der Mann wird stark und kauft sich ein Auto".

Uli Streib-Brzic ist zuversichtlich, dass der Umgang mit dem Thema in den kommenden Jahren selbstverständlicher wird: "Es werden mehr Regenbogenkinder in die Schulen kommen, und die tun ja was dafür, dass sich etwas ändert." Schon jetzt ist die Reaktion auf Regenbogenfamilien nicht immer negativ. So fragte die Freundin der elf Jahre alten Amelie: "Kann ich mal zu dir nach Hause?" Zur Abwechslung zwei Mütter zu haben, meinte sie, das wär' doch was.