Sächsisch für Anfänger Was heißt eigentlich "ei verbibbsch"?

Ei verbibbsch: In nicht sächselnden Teilen der Republik gilt dieser Begriff als ursächsisch. Zumindest die Dresdner wissen bis heute nicht, warum.

ferdsch / färdsch: Das heißt "fertig" und ist ein gutes Beispiel für den sächsischen Zungenschlag: Bei Adjektiven mit -ig-Endung das "i" weglassen und das "g" in ein "sch" umwandeln - ferdsch.

"Gänsefleisch ...?": Wer jetzt an den Metzger denkt, liegt völlig daneben. Denn erstens wird der Metzger in Dresden "Fleescher" genannt und zweitens heißt der Ausspruch auf hochdeutsch "Könnten Sie vielleicht ...?"

Goffeesachse / Kaffeesachse: Der Legende nach stammt der Begriff Kaffeesachse aus dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763). Den sächsischen Soldaten soll es mangels ihres Lieblingsgetränks an Einsatzwillen gefehlt haben, das begründeten sie öffentlich mit dem Satz "Ohne Gaffee gönn'mer nich gämpfn". Ob sie auch mit -> Bliemschngoffee zufrieden gewesen wären, ist nicht überliefert. Der preußische König soll sie daraufhin verächtlich als "Kaffeesachsen" bezeichnet haben, was der Sachsen Vorliebe für ein "Schälchen Heeßn" keinen Abbruch tat. 1908 erfand Melitta Bentz in Dresden übrigens die Kaffee-Filtertüte.

"Hammorni!": Ein geflügeltes Wort zu Zeiten des Sozialismus, auch weit über die Grenzen des --> "Tals der Ahnungslosen" hinaus. Kundenwünsche wurden angesichts spärlich gefüllter Regale in den Läden kurz und knapp mit einem "Hammorni!" ("Haben wir nicht!") abgeschmettert.

"Isch mach glei ä bissl mit!": Die wörtliche Übersetzung "Ich mache gleich ein bisschen mit" führt aber in die Irre. Was zunächst gemütlich daherkommt, ist ein ernster Hinweis. Zum Beispiel dann, wenn Eltern ihre Kinder ultimativ daran erinnern, sich endlich zu benehmen.

Käseglocke: Der charakteristisch geformte Pavillon am zentralen Postplatz im Stadtzentrum ist ein beliebter Ort für Verabredungen.

Mach 'mer los! / Wir machen los!: Aufmunternder, anfeuernder Ausruf im Sinne von "Los geht's!". Das bayerische Synonym wäre "Pack ma's!".

Nu: Was haben sich die Menschen, vor allem die Ortsfremden, durch dieses Wort schon missverstanden. "Nu" heißt "ja". So einfach ist das. Manchmal wird es auch als Füllwort im Sinne von "nicht wahr" oder "eben" gebraucht.

Nischel: Eines von vielen Synonymen für das Wort "Kopf", weitere sind zum Beispiel "Däähds" oder "Gobb". Die bekannte Bronzeplastik von Karl Marx' Kopf in Chemnitz wurde umgangssprachlich übrigens auch "Nischel" genannt.

Tal der Ahnungslosen: Heute wie auch vor DDR-Zeiten schmückt sich Dresden aufgrund seiner Lage an der Elbe und der berühmten Bausubstanz gern mit dem Beinamen "Elbflorenz". Zwischen 1948 und 1989 galt es im Volksmund aber vor allem als die Hauptstadt im "Tal der Ahnungslosen". Während der Rest der Republik nämlich per Hausantenne Fernsehsender aus dem Westen Deutschlands empfangen konnte, mussten sich die Bewohner in der südöstlichen Ecke der DDR mit den zwei Sendern des Staatsfernsehens und systemtreuen Informationen zufriedengeben. Ironie der Geschichte: Trotz der fehlenden Nachrichten aus dem westlichen Ausland soll es in Dresden und Umgebung die meisten Ausreiseanträge gegeben haben.

übelst: Viel verwendetes Adverb im Sinne von "krass" oder "extrem".

viehisch: Wenn etwas nicht menschlich ist, dann ist es für den Dresdener "viehisch" ("viehsch"). Schmerzen können zum Beispiel so sein, Anstrengungen oder aber auch eine schlecht gemachte --> Eierschecke.

Zitronenpresse: Bezeichnung für die gläserne Kuppel der Kunsthochschule im historischen Zentrum von Dresden.

Uni-Städte in Deutschland